Liechtenstein: Ärzte kündigen OKP-Verträge

Die Liechtensteinische Ärztekammer akzeptiert die neuen Konditionen von Krankenversicherern und Regierung nicht. Ab 2017 rechnen die Ärzte direkt mit den Patienten ab.

, 13. Dezember 2016, 13:55
image
  • ärzte
  • versicherer
  • tarmed
  • liechtenstein
  • politik
image
Alexander Reis, Ulrike Graber, Ruth Kranz-Candrian, Stefan Rüdisser, alle Liechtensteinische Ärztekammer, an der Medienkonferenz (von links, Bild: PD)
Nun ist es offiziell: Ab Januar befinden sich die Liechtensteiner Ärzte in einem vertragslosen Zustand. Die Liechtensteinische Ärztekammer hat einstimmig beschlossen, den OKP-Verträgen mit dem Krankenkassenverband nicht beizutreten. Diese umfassen unter anderem das neue Tarifsystem Tarmed, welches aufgrund der KVG-Revision ab 2017 in Liechtenstein eingeführt wird.  
Damit gerät der Krankenkassenverband und der zuständige Regierungsrat Mauro Pedrazzini gehörig unter Druck. Wie Ruth Kranz-Candrian, die Präsidentin der Ärztekammer, an einer Medienkonferenz betonte, haben nicht die neuen Tarife zu dem Schritt geführt, sondern andere vertragliche Bestimmungen, mit denen Krankenkassen und Regierung vorgeben würden, welche Leistungen wann und wie erbracht werden müssen. 

Der bisherige Tarif bleibt

«Die Vorstellungen und Vorgaben der Regierung würden zu einer Rationierung medizinischer Betreuung führen und unser gut funktionierendes Gesundheitssystem nachhaltig schädigen», so Ruth Kranz-Candrian, «wir lehnen eine Verstaatlichung unseres Gesundheitswesens klar ab». 
Die neuen OKP-Verträge würden die Ärzte in ein enges Korsett drängen und sie zu Scheinselbstständigen degradieren. Ausserdem zielten sie auf eine Reduzierung der ärztlichen Leistung am Patienten ab. Ab 1. Januar 2017 werden die Ärzte ihre Leistungen direkt mit den Patienten abrechnen und zwar nach altem liechtensteinischen Tarif. Dies, obschon sich die Praxen auf die Einführung von Tarmed ab Januar 2017 organisatorisch vorbereitet hätten. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Medizinisches Zentrum neben dem Hochhaus will hoch hinaus

In Ostermundigen bietet ein neues medizinisches Zentrum ab nächstem Montag eine Walk-In-Notfall-Praxis an. Bald soll es auch mehr sein.

image

Covid: «Impfopfer» reichen Strafanzeige gegen Swissmedic und Ärzte ein

Update: Ein Zürcher Anwalt geht im Namen von sechs vermutlich durch mRNA-Impfungen geschädigte Personen gegen Swissmedic und Ärzte vor. Swissmedic nimmt gegenüber Medinside Stellung.

image

«Keine unserer 34 Ärztinnen und Ärzte arbeiten 100 Prozent»

«Die jungen Ärztinnen und Ärzte wollen nicht mehr das finanzielle Risiko und die unternehmerische Verantwortung übernehmen.» Das sagt Axel Rowedder. Er hat Medix Toujours an Medbase verkauft.

image

Schweizer Ärzte gehen sparsamer mit Antibiotika um

Der Einsatz von Antibiotika ist gesunken. Dadurch konnten die Resistenzraten gebremst werden. Das zeigt der «Swiss Antibiotic Resistance Report 2022».

image

Andreasklinik: Gesundheitsdirektion stösst auf Gegenwind

Der Klinik in Cham soll der Auftrag für die Grund- und Notfallversorgung entzogen werden. Die «IG Wahlfreiheit Kanton Zug» wehrt sich mit einer Petition.

image

Treibt der verurteilte Mein-Arzt-Chef sein Unwesen wieder in der Schweiz?

Christian Neuschitzer wurde wegen Corona-Kredit-Betrugs verurteilt und des Landes verwiesen. Nun soll er im Dunklen die Fäden bei einem Schweizer Praxis-Netzwerk ziehen.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.