Ist es bloss Zufall, ob ein Spital rentiert?

Nicht alle Spitäler haben unter Corona gelitten. Es gibt sie: Die Spitäler, die 2020 rentiert haben. Zum Beispiel Zollikerberg. Warum?

, 19. August 2021, 13:20
image
Diese Rangliste hat zu reden gegeben: Mediniside publizierte die Renditen der grossen Schweizer Spitäler. Und zeigte damit: Kaum eines kann so wirtschaften, wie es das Gesetz eigentlich vorsehen würde. Nämlich so, dass es sich längerfristig selber finanzieren kann.

Zwei der Gewinner: Zollikerberg und Limmattal

Trotzdem gibt es einige wenige Spitäler, die trotz Pandemie gute Abschlüsse vorweisen konnten. Dass die Privatklinikgruppe Hirslanden dazugehört, verwundert Fachleute nicht. «Hirslanden ist ein Investitionsvehikel. Die müssen gute Finanzzahlen haben, sonst werden sie verkauft», sagte Martin Bienlein, Berater im Gesundheits- und Sozialwesen, gegenüber Medinside.
Doch auch das Spital Zollikerberg lieferte gute Zahlen ab: Die Rendite, gemessen an der EBITDA-Marge, sank zwar von 12 auf 10,7 Prozent. Damit steht das Spital als eines der ganz wenigen in der Schweiz gut da. Genau wie das Spital Limmattal, das seine Rendite von 9,4 auf 11,2 Prozent steigern konnte.

Die Grösse macht es nicht aus

Liegt es also vielleicht an der Grösse des Spitals? Zollikerberg und Limmattal haben beide grob gerechnet um die 11 000 Patienten pro Jahr, die sie sie rund 170 Betten betreuen. Die Auslastung liegt bei beiden über 80 Prozent.
Doch andere ähnlich grosse Spitäler schaffen keine solche Rendite: Das Regionalspital Emmental kam nur auf 6 Prozent. Das Spital Uster zahlte letztes Jahr sogar drauf: Die Ebitda-Marge betrug - 3,9 Prozent.

Nicht mehr gutbetuchte Patienten

Die Grösse kann also nicht der ausschlaggebende Grund sein. Dann sind es vielleicht die Anteile der lukrativen Privat- und Halbprivatpatienten? Definitiv nicht: Wohl profitiert das Spital Zollikerberg von einem leicht überdurchschnittlichen Anteil an besser versicherten Patienten, nämlich 26 Prozent. Doch das ebenfalls gut wirtschaftende Spital Limmattal hat nur deren 18 Prozent.
Könnte es also an der Trägerschaft liegen? Private Besitzer fordern Gewinne von ihren Spitälern, während Spitäler, die grosszügig von der öffentlichen Hand unterstützt werden, vielleicht zu wenig Anreiz haben, rentabel zu geschäften und gute Zahlen auszuweisen. Auch das lässt sich nicht verallgemeinern. Denn das Spital Zollikerberg wird von einer Stiftung geführt, und das Spital Limmattal von elf Gemeinden – keines steht also unter dem Druck von gewinnlustigen Aktionären.

Der Standort spielt keine Rolle

Dann ist vielleicht der Standort ein Grund für gute oder schlechte Renditen? Auch das lässt sich nicht bestätigen: Limmattal und Zollikerberg stehen mitten in der dicht besiedelten Region Zürich und in Konkurrenz zu vielen anderen Spitälern. Das ebenfalls rentable Spital Thurgau hingegen befindet sich allein auf weiter und dünn besiedelter Flur.
Dorit Djelid, Sprecherin des Spitalverbands Hplus, gibt zu bedenken, dass sinkende oder stagnierende Tarife im stationären Bereich und nicht kostendeckende Tarife im ambulanten Bereich es den Spitälern schwer machen, Renditen von zehn Prozent zu erreichen. Generell stellt Hplus fest, dass der Spitalbereich unter einer «chronischen Unterfinanzierung» leide, welche angegangen werden müsse. Doch auch das beantwortet die Frage nicht: Warum schaffen es dann einige wenige Spitäler trotzdem, rentabel zu arbeiten? Eine klare Antwort darauf gibt es derzeit nicht.

Nun verlangen die Schweizer Spitäler zwei Milliarden Franken

Der Verein Spital Benchmark und die Beratungsfirma PwC haben die Zahlen zu den Kosten zusammengetragen, welche den Spitälern letztes Jahr wegen der Pandemie entstanden sind: Die Verluste von rund 160 Spitäler belaufen sich zusammen auf rund zwei Milliarden Franken.
Der Dachverband der Schweizer Spitäler Hplus forderte bereits im Juni vom Bund, dass er die Spitäler entschädigt. Mit der Begründung: «Die Konsequenzen des sechswöchigen vom Bund angeordneten Behandlungsverbots im Frühjahr 2020 waren für die Spitäler und Kliniken in finanzieller Hinsicht einschneidend.»
Der Bundesrat lehnte die Entschädigungszahlung ab. Die Covid-19-Verordnung sehe das nicht vor. Mittlerweile sind viele Kantone eingesprungen und haben ihre Spitäler mit Beiträgen an die Pandemie-Verluste unterstützt.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Dieses Spital darf nicht so gross werden wie geplant

Es ist zu teuer: Das neue Schaffhauser Kantonsspital muss um 50 Millionen Franken billiger werden. Das hat der Spitalrat beschlossen.

image

Protest in Lausanne: Angestellte des Unispitals wollen mehr Lohn

Rund 250 Mitarbeitende des Universitätsspitals Chuv und Gewerkschaftsvertreter protestieren vor dem Hauptgebäude für einen vollen Teuerungsausgleich.

image

Die HFR-Operationszentren haben einen neuen Chefarzt

Pavel Kricka leitet neu als Chefarzt die Operationszentren des Freiburger Spitals (HFR). Er ist Nachfolger von Rolf Wymann.

image

Kantonsspital Glarus muss neuen Pflegechef suchen

Markus Loosli verlässt das Kantonsspital Glarus – aus privaten Gründen, heisst es.

image

Konflikt zwischen Unispital und Personal wegen Long-Covid

Aufgrund von Long-Covid-Symptomen ist es Pflegekräften nicht mehr möglich, zur Arbeit ins Genfer Unispital zurückzukehren. Die Lösung soll nun offenbar die Entlassung sein.

image

Privatklinikbesitzer gilt als «nicht erfolgreich integriert»

Michel Reybier wird die Einbürgerung verweigert. Der 77-jährige Miteigentümer von Swiss Medical Network war zu schnell mit dem Auto unterwegs.

Vom gleichen Autor

image

Sie will etwas Neues – deshalb geht die Kantonsärztin

Schon wieder ein Wechsel im Kantonsarztamt von Solothurn: Samuel Iff heisst der Neue, der Yvonne Hummel ersetzt.

image

Grosse Altersheimgruppe hat nun eine Schlichtungsstelle

Das ist neu: Die 43 Senevita-Heime wollen Streit um die Betreuung oder ums Geld von einer unabhängigen Stelle schlichten lassen.

image

Ist das die Rettung für private Spitex-Unternehmen?

Eine private Spitex-Firma fürchtet um ihre Zukunft – deshalb arbeitet sie mit einem Alterszentrum zusammen.