USZ: Ist Alzheimer doch übertragbar?

Forscher der Universität Zürich fanden heraus, dass bei einer Hirnhaut-Transplantation die für Alzheimer typischen Ablagerungen vom Spender auf den Empfänger übergehen.

, 26. Januar 2016, 10:21
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Alzheimer ist die weltweit häufigste Demenzerkrankung. Bereits viele Jahre bevor erste Symptome der Alzheimer-Krankheit sichtbar werden, lassen sich im Gehirn von Betroffenen krankhafte Ablagerungen nachweisen. Diese Plaques bestehen aus falsch gefalteten Varianten des Proteins Beta-Amyloid, kurz: Aβ. 
Gemäss gängiger Lehrmeinung ist Alzheimer nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Allerdings konnte in Versuchen wiederholt gezeigt werden, dass Aβ-Plaques, die aus dem Hirn von Alzheimer-Patienten extrahiert und in Labormäuse gespritzt wurden, die Entstehung neuer Plaques im Gehirn der Tiere fördern können.

Hirne von sieben jungen Patienten untersucht

Eine im Swiss Medical Weekly veröffentlichte Forschungsarbeit von Karl Frontzek und seinem Team von der Universität Zürich und der Medizinischen Universität Wien fügt der Klärung der Frage, ob und wie Alzheimer übertragbar ist, einen «weiteren beunruhigenden Aspekt hinzu», wie es in einer Mitteilung der Universität Zürich heisst. 
Die Forscher untersuchten die Hirne von sieben relativ jungen Patienten, die an einer Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung verstorben waren und Jahre zuvor eine Hirnhaut-Transplantation erhalten hatten. Da einige der Hirnhaut-Spender mit Prionen infiziert waren – der Erreger der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit –, wurde die Erkrankung via Transplantat unbeabsichtigt auf die Empfänger übertragen. 

Hirnablagerungen vom Spender auf den Empfänger übertragen

Bisher sind weltweit etwa 220 Fälle von-Jakob-Krankheit nach Hirnhaut-Transplantation aufgetreten. Die Patienten hatten die Hirnhaut-Transplantate bei Hirnoperationen erhalten, um den Heilungsprozess zu verbessern. Aufgrund dieses Risikos wurde die Transplantation von Hirnhäuten bereits vor Jahren eingeschränkt.
Wie sich nun herausstellte, war die Hirnhaut nicht nur mit Prionen infiziert, sondern übertrug auch Alzheimer-typische Hirnablagerungen auf ihre Empfänger. Da Aβ-Plaques im Gehirn bei jüngeren Patienten sehr ungewöhnlich sind, deuten die Resultate gemäss den Forschern «stark» darauf hin, dass die Aβ-Ablagerungen durch die Hirnhaut-Transplantate verursacht worden sind.

«Unerwarteter, sehr ernstzunehmender Aspekt»

«Diese Studie verstärkt die Hinweise darauf, dass die fundamentalen Merkmale der Alzheimer-Erkrankung unter bestimmten Voraussetzungen übertragbar sein können», so die Mitteilung der Universität Zürich, «und sie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen unerwarteten, sehr ernstzunehmenden Aspekt der Transplantationsmedizin: Die prinzipielle Übertragungsmöglichkeit von Proteinen, die bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Schlüsselrolle spielen».
Studie: 
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