Deutschland erhält seinen fünften Covid-Impfstoff

Heute Montag soll die erste Novavax-Lieferung in Deutschland eintreffen. Dort fragt man sich, was der Proteinimpfstoff kann und für wen er geeignet ist. In der Schweiz wird «Nuvaxovid» durch Swissmedic geprüft.

, 21. Februar 2022, 14:20
image
  • coronavirus
  • swissmedic
  • impfstoff
  • novavax
«Nuvaxovid» heisst der neuartige Impfstoff, der heute erstmals nach Deutschland geliefert werden sollte. Erwartet werden 1,4 Millionen Dosen des für das Jahr 2022 bestellten Menge von total 34 Millionen Impfdosen. In der Schweiz wird das Medikament derzeit durch Swissmedic begutachtet. Das entsprechende Zulassungsgesuch des US-Herstellers hatte die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel am 14. Februar erhalten. 
Es handelt sich dabei um den ersten Proteinimpfstoff, für den in der Schweiz eine Zulassung beantragt wird. Neben den mRNA-Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna sowie dem vektorbasierten Vakzin von Johnson & Johnson hat die Schweiz im Februar sechs Millionen Dosen von «Nuvaxovid» vorbestellt. 
Heute soll Deutschland mit dem Novavax-Impfstoff neben Pfizer/Biontech, Moderna, Johnson & Johnson und Astra-Zeneca seinen fünften Corona-Impfstoff erhalten. Doch was unterscheidet ihn von anderen Präparaten, wie gut wirkt er und für wen ist er überhaupt eine Alternative? Diese Fragen stellen sich deutsche Medien heute; Antworten darauf liefert etwa die Tageschau auf dem Fernsehsender «ARD».  

Wie wirksam ist «Nuvaxovid»?

Der Proteinimpfstoff Nuvaxovid soll gemäss zwei Untersuchungen mit insgesamt über 45'000 Probanden nach zwei Impfdosen die Anzahl symptomatischer Covid-19-Fälle um rund 90 Prozent verringert haben. 
Während des Studienverlaufs zirkulierten allerdings vor allem die Alpha- und die Beta-Variante des Coronavirus. Der Impfstoff soll laut Novavax aber auch gegen andere Varianten wirken. Dies, besonders mit einer Booster-Impfung, sechs Monate nach der zweiten Dosis, sei die Immunantwort auf die Delta- und Omikron-Variante vergleichbar zu den Ergebnissen der beiden früheren Untersuchungen. Derzeit liegen jedoch nur begrenzte Daten über die Wirksamkeit gegen Omikron und anderen Varianten vor.

Wer wird in Deutschland priorisiert?

Wie «ARD» weiter berichtet, sollen den Impfstoff priorisiert bisher nicht geimpfte Beschäftigte erhalten, für die ab Mitte März die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt. Die Herausforderung bestehe darin, dass zunächst nur sehr begrenzte Mengen des Impfstoffs Novavax zur Verfügung stehen werden.

Wirkt das Vakzin auch bei Kindern und Jugendlichen?

Laut Novavax war die Wirkung des Impfstoffs bei einer Untersuchung mit Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren vergleichbar zu der bei Erwachsenen. Gegen die Delta-Variante soll die Impfung eine Wirksamkeit von 82 Prozent gezeigt haben. 

Wie funktioniert der Novavax-Impfstoff?

Der Impfstoff ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff. Das bedeutet, dass die enthaltenen Proteine in gentechnisch veränderten Zellkulturen hergestellt wurden. In diesem Fall handelt es sich um das Spike-Protein von Sars-CoV-2, welches das Virus nutzt, um in die Zellen zu gelangen.
Wie bei den bisher verfügbaren Corona-Schutzimpfungen soll der Körper mit seiner Immunantwort also auch beim Novavax-Impfstoff auf das Spike-Protein reagieren. Anders als bei mRNA- und Vektor-Impfstoffen ist im Proteinimpfstoff jedoch kein Bauplan enthalten, damit der Körper das Spike-Protein selbst herstellt, sondern das fertige Protein in Form von Nanopartikeln.
Für eine starke und langanhaltende Immunantwort braucht der Novavax-Impfstoff einen Wirkverstärker, auch Adjuvans genannt. Bei der Novavax-Impfung basiert der Wirkverstärker auf Saponinen, die zusammen mit Lipiden aus dem chilenischen Seifenrindenbaum gewonnen werden. Saponine sind Bitterstoffe, die zum Beispiel für die Schaumbildung auf Bier oder bei der Verwendung von Shampoos sorgen.

Ist  «Nuvaxovid» ein Totimpfstoff?

Beim Vakzin handelt es sich zwar um einen Proteinimpfstoff. Diese Bezeichnung ist laut «ARD» allerdings ungenau. Allgemein bedeute das, dass ein Impfstoff keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger, sondern abgetötete Erreger oder nur Teile von diesen enthalte. 
Je nach Definition werden auch synthetisierte Impfstoffe, wie mRNA- und Vektor-Impfstoffe dazugezählt, die auch keine lebenden Erreger enthalten. So bezeichnet das Robert Koch-Institut neben dem Proteinimpfstoff von Novavax alle bisher verfügbaren Corona-Impfungen als Totimpfstoffe. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Gibt es eigentlich «Nie-Covid»-Menschen?

Es könnte sein, dass es Personen gibt, die noch nie an Covid erkrankt sind. Allerdings lässt es sich nicht belegen – noch nicht.

image

Komplementärmediziner blitzen mit Beschwerde gegen «NZZ» ab

Homöopathen müssen sich gefallen lassen, dass sie als mitverantwortlich für die Impfskepsis gelten. Die «NZZ» durfte das schreiben.

image

«Vor lauter Corona gehen viele Zoonosen vergessen»

Seit Ende des 20. Jahrhunderts springen immer mehr Krankheitserreger von Tieren auf den Menschen über. Jakob Zinsstag erforscht diese sogenannten Zoonosen. Ein Interview.

image

«Lehnen Sie den Wolf im Schafspelz ab»

Künftig sollen in der Schweiz auch Medizinprodukte aussereuropäischer Regulierungssysteme zugelassen werden können.

image

Neues Spezialisten-Team im Einsatz für Long-Covid-Patienten in Lausanne

Das Centre Leenaards de la Mémoire-CHUV hat eine neue Sprechstunde für Menschen, die an Long Covid leiden und neuropsychiatrische Komplikationen haben.

image

Covid: «Impfopfer» reichen Strafanzeige gegen Swissmedic und Ärzte ein

Update: Ein Zürcher Anwalt geht im Namen von sechs vermutlich durch mRNA-Impfungen geschädigte Personen gegen Swissmedic und Ärzte vor. Swissmedic nimmt gegenüber Medinside Stellung.

Vom gleichen Autor

image

Medikamente: «Wir betonen seit Jahren, dass die Situation immer schlechter wird»

«Problematisch» – so stuft der Bund die Arzneimittel-Engpässe ein. Nun soll eine Taskforce Massnahmen prüfen. Was sagt die Branche dazu? Wir haben nachgefragt.

image

Protest in Lausanne: Angestellte des Unispitals wollen mehr Lohn

Rund 250 Mitarbeitende des Universitätsspitals Chuv und Gewerkschaftsvertreter protestieren vor dem Hauptgebäude für einen vollen Teuerungsausgleich.

image

Die Grünenthal Pharma hat eine neue Leiterin

Maya Marescotti wurde zur Country Managerin der Schweizer Vertriebseinheit des in Deutschland gegründeten forschenden Pharmaunternehmens ernannt.