Bluthochdruck: Die richtige Ernährung wirkt besser als Medikamente

Eine auf dem US-Kardiologen-Kongress präsentierte Studie zeigt, dass sich bei Hypertonie-Patienten mit Ernährungsmassnahmen sehr viel erreichen lässt.

, 28. November 2017 um 16:14
image
  • kardiologie
  • studie
  • forschung
  • bluthochdruck
Es gibt eine Alternative zur Einnahme von Blutdrucksenkern, wie eine Studie der John Hopkins University School of Medicine mit 412 Teilnehmern zeigt: Zum einen sollte der Salzkonsum reduziert werden. Zum andern sollten die Vorgaben der so genannten DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertention) eingehalten werden.
Die Ergebnisse wurden am Kongress der American Heart Association (AHA) präsentiert und im «Journal of the American College of Cardiology» veröffentlicht. «Die Ergebnisse legen nahe, dass die Ernährungsumstellung genauso wirksam oder sogar noch wirksamer ist als blutdrucksenkende Medikamente. Personen, die ein Risiko für hohen Blutdruck haben, sollten routinemässig in erster Linie so behandelt werden», sagt Erstautor Stephen Jurascheck. Die Studie führe vor Augen, wie wichtig die Ernährung für die Behandlung von Hypertonie-Patienten sei.
Stephen Juraschek et al.: «Effects of Sodium Reduction and the DASH Diet in Relation to Baseline Blood Pressure» - in: «Journal of the American College of Cardiology», November 2017
Es ist bekannt, dass salzarme Ernährung und DASH-Diät blutdrucksenkend wirken. Die Wissenschaftler wollten nun aber herausfinden, welche Effekte die Massnahmen kombiniert bei Personen mit leicht bis moderat erhöhtem Blutdruck haben (80 bis 95/120 bis 159 mmHg), also bei denen mit dem grössten Risiko für Hypertonie. 
Die eine Gruppe erhielt eine DASH-Diät mit viel Früchten, Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch, Geflügel und Nüssen und ohne Zucker. Die andere Gruppe ernährte sich nach dem durchschnittlichen amerikanischen Muster. Der Salzgehalt in der Ernährung wurde in beiden Gruppen auf einem tiefen (1,15 g Natrium pro Tag), mittleren (2,3 g) oder hohen Niveau (3,4 g) gehalten. 

«Wichtige Botschaft an Patienten»

Die grösste blutdrucksenkende Wirkung zeigten die Teilnehmer, die ursprünglich den höchsten Blutdruck hatten und sowohl unter DASH-Diät und der höchsten Salzreduktion standen. So fiel der systolische Blutdruck bei einem Ausgangswert von 150 mmHg um 21 mmHg, wenn die Probanden den Kochsalz-Konsum auf 3 Gramm (1,15 g Natrium) beschränkten und sich nach DASH ernährten. Blutdrucksenkende Medikamente reduzieren den Blutdruck durchschnittlich um 10 bis 15 mmHg. 
Bei diesen Patienten habe man durch eine Ernährungsumstellung sogar eine größere Blutdrucksenkung erreicht, als man es in Studien mit den üblichen blutdrucksenkenden Medikamenten sehe, so Juraschek, der sich erstaunt zeigt über das Ausmass der Wirkung. Dies zeige, dass die Personen, die das grösste Risiko für hohen Blutdruck haben, auch den grössten Nutzen aus der kombinierten Diät ziehen können. «Das ist eine wichtige Botschaft an die Patienten: Mit einer gesunden, salzarmen Ernährung lässt sich viel erreichen.»

Deutlicher Effekt

image
Quelle: Studie
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Epilepsie: Neue Folsäure-Empfehlung für Schwangere soll Krebsrisiko senken

Die Schweizerische Epilepsie-Liga empfiehlt, die tägliche Folsäure-Dosis von bisher vier bis fünf auf ein bis drei Milligramm zu reduzieren.

image

Brustkrebs-Screening im Alter birgt Risiko von Überdiagnosen

Eine Studie der Yale Medical School zeigt: Bei Frauen ab 70 Jahren, die eine Mammographien erhielten, wurden häufiger gesundheitlich unbedenkliche Tumore diagnostiziert als bei Frauen, die nicht an der Früherkennung teilnahmen.

image

Aargau will Med- und Health-Tech auf neues Niveau heben

Mit einem Projekt setzen das Kantonsspital Baden, die Stadt Baden und der Kanton Aargau neue Impulse für Innovationen in Medizin und Gesundheitstechnologie.

image

Mammografie: KI findet 20 Prozent mehr Tumore

Eine schwedische Studie zeigt, dass künstliche Intelligenz die Zahl der entdeckten Tumore deutlich steigern und zugleich die Arbeitslast von Radiologen verringern kann.

image

Seltene Krankheiten: «Oft spürt die Mutter, dass etwas nicht in Ordnung ist»

Werden wir dereinst das gesamte Genom des Neugeborenen routinemässig auf Krankheiten untersuchen? In manchen Ländern werde dies bereits getestet, sagt Stoffwechselspezialist Matthias Baumgartner.

image

Austausch kann ärztliche Fehlerrate reduzieren

Eine Studie zeigt, dass der Austausch innerhalb von Ärzte-Netzwerken dabei helfen kann, Diagnose- und Behandlungsfeh­ler zu vermindern.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.