Bauch-Chirurgie: Spitäler wehren sich gegen Einschränkungen

Komplizierte Bauch-Operationen sollen nur noch in grossen Spitälern durchgeführt werden. Regionale Spitäler wie in Glarus oder Uri fürchten um ihre Attraktivität als Arbeitgeber.

, 28. November 2017, 09:22
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Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) veröffentlichte am Montag eine Liste mit den Spitälern, die weiterhin hochspezialisierte Operationen an Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Leber und Enddarm durchführen dürfen. Geht es nach dem Beschlussorgan für hochspezialisierte Medizin (HSM), sollen künftig nur jene Spitäler mit mindestens 12 Operationen jährlich solche Eingriffe machen dürfen.
Am umkämpftesten sind die «Operationen im Enddarm». In diesem lukrativen Bereich gab es am meisten Bewerbungen: Fast 50 Spitäler möchten diese ausführen, aber nur 27 werden den entsprechenden Auftrag bekommen. Etliche Spitaldirektoren hatten gehofft, dass Enddarm-Operationen ganz von der Liste gestrichen würden.

KS Glarus: «Bis zum Schluss kämpfen»

«Die Enddarm-Operationen gehören für uns ganz klar nicht zur hochspezialisierten Medizin», sagt Markus Hauser, Direktor des Kantonsspitals Glarus, im «Echo der Zeit» auf SRF. Dies darum, weil diese Operationen sehr häufig durchgeführt werden und sie nicht wahnsinnig komplex seien. Sein Spital dürfte laut der Liste keine Enddarm-Operationen mehr durchführen. 
Für Rolf Widmer ist dies Frage der Definition. Als HSM-Präsident ist er mitverantwortlich für die Spitalliste zur Bauch-Chirurgie. Gleichzeitig ist Widmer auch Gesundheitsdirektor des Kantons Glarus und zeigt Verständnis für die Verlierer. Das Kantonsspital Glarus sei ein Grundversorgungsspital und habe bei der hochspezialisierten Medizin nichts zu suchen.
«Man kann sich fragen, operiert man Sachen, die zur hochspezialisierten Medizin gehören, oder ist es vielleicht die falsche Definition von hochspezialisierter Medizin, wenn es auch die Grundversorgungsspitäler betrifft», so Widmer auf SRF.

KS Uri: «Schwer nachvollziehbar»

Auch das Kantonsspital Uri soll bei Enddarm-Operationen leer ausgehen. «Dass unsere Ärzte nicht mehr die  Möglichkeit haben sollen, solche Operationen durchzuführen, ist nur schwer nachvollziehbar», sagt Fortunat von Planta, Direktor des Kantonsspitals Uri und Präsident der Vereinigung Spitäler Zentralschweiz, auf SRF. 
Er gibt zu bedenken, dass die meisten Ärzte, die in den Zentralschweizer Regionalspitälern arbeiten, ursprünglich in einem Universitäts- oder einem Zentrumsspitals gearbeitet haben und entsprechend grosse Erfahrung mitbringen. Die Regulierung gehe eindeutig in Richtung Schwächung der Regionalspitäler. 

Stoff für Justiz

Die Spitäler und interessierte Kreise haben von Mitte Dezember bis Ende Januar Zeit, sich zu den Plänen der Gesundheitsdirektoren zu äussern. Erst danach wird die definitive Version veröffentlicht, gegen die Beschwerde erhoben werden kann. Schon jetzt steht fest, dass sich letztlich Gerichte damit beschäftigen werden, wer welche Eingriffe durchführen darf. Markus Hauser vom Kantonsspital Glarus macht klar: «Für den Leistungsauftrag werden wir bis zum Schluss kämpfen».

  • Liste der Spitäler, die für die hochspezialisierte Viszeralchirurgie vorgesehen sind

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