Mit dieser Brille können Ärzte die Schreibarbeit künftig sparen

Via Google Glass werden Konsultationen in Bild und Ton zu einer Schreibkraft übermittelt, die die Patientenberichte anstelle des Arztes führt und aktualisiert. Erste Erfahrungen mit der neuen Technologie sind durchschlagend.

, 26. April 2016 um 12:53
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Ein Arzt wendet durchschnittlich 20 Stunden pro Woche fürs Verfassen von Patientenberichten und anderen administrativen Aufgaben auf. Das ist etwa ein Drittel der Arbeitszeit. Der Aufwand für die Büroarbeit ist in den letzten Jahren zum Leidwesen der Mediziner deutlich gestiegen. 
Die amerikanischen Softwarefirma Augmedix hat nun eine Plattform entwickelt, welche das Zeug hat, die Ärzte wesentlich von der Büroarbeit zu entlasten. Den Praxistest hat sie auch schon bestanden: Ärzte, die die Technologie nutzten, konnten die Zeit für Schreibarbeiten auf fünf Stunden pro Woche drücken.
Anstatt hinter einem Laptop zu sitzen und Berichte einzugeben, trägt der Arzt während der Konsultation eine Google Glass. Diese übertragt das Patientengespräch realtime per Video- und Audio-Stream zu einer medizinisch geschulten Schreibkraft, die den Bericht schreibt und das Patientendossier aktualisiert. Der Arzt muss die Aufzeichnungen nur noch gegenlesen und autorisieren.

Täglich 5'000 Patientenkontakte

Augmedix hat soeben bei namhaften Investoren aus der Gesundheitsbranche wie Sutter Health oder Dignity Health 17 Millionen US-Dollar eingezogen. Damit erhöht sich das Kapital des Unternehmens auf 40 Millionen US-Dollar. 
Die Technologie wird in den USA bereits von hunderten von Ärzten genutzt und täglich in 5'000 Patientenkontakten eingesetzt. Vorteile sehen die Mediziner nicht nur in der Zeitersparnis von rund 15 Stunden pro Woche, auch die Genauigkeit der Berichte hat sich offenbar erhöht. Ein Arzt verfügt immer über die gleiche Schreibkraft. 

Innovativstes Healthcare-Unternehmen

Die Technologie wird unter anderem in der Notfallmedizin der Palo Alto Medical Foundation genutzt. «Es ist, wie wenn der Schreiber in der Praxis sitzen würde», wird eine Ärztin in einem Bericht des Santa Cruz Sentinel zitiert. Früher habe sie ein Drittel der Arbeitszeit am Computer verbracht - Zeit, die sie nun für Patientenkontakte einsetzen könne. 
Die Akzeptanz bei den Patienten liegt bei 96 Prozent. Sie schätzen es offenbar, wenn sich der Arzt ihnen direkt zuwendet anstatt den Notizen. Augmedix spricht gar von einer «Rehumanisierung» der Beziehung zwischen Arzt und Patient. 
Das High-Tech-Magazin Fast Company kürte Augmedix zum innovativsten Healthcare-Unternehmen des Jahres 2016. Die Firma wurde im Jahr 2012 von Ian Shakil und Pelu Tran als Spin-Off der Stanford University gegründet und beschäftigt 700 Mitarbeitende. 
Siehe auch: 


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