Alkoholvergiftung: Kassen müssen weiterhin zahlen

Der Bundesrat ist gegen eine Systemänderung.

, 1. Juli 2015, 09:00
image
  • versicherer
  • politik
Wenn jemand wegen einer Alkoholvergiftung notfallmässig in der Ausnüchterungszelle landet oder im Spital behandelt werden muss, soll die Krankenversicherung die Kosten dafür weiterhin übernehmen. Der Bundesrat hat eine Vorlage aus dem Parlament abgelehnt, die dies ändern wollte. 
Eigenes Verschulden sei heute kein Kriterium dafür, ob die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten übernehme oder nicht, teilte die Regierung am Mittwoch mit. «Eine Ausnahme bei übermässigem Alkoholkonsum käme einem Systemwechsel gleich und wäre mit dem Verfassungsgrundsatz der Rechtsgleichheit schwer vereinbar», heisst es. 
Zudem seien weder die Wirksamkeit einer solchen Massnahme erwiesen noch die finanziellen Auswirkungen geklärt. Weiter befürchtet der Bundesrat, dass sich insbesondere Jugendliche und Personen aus bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen spät oder gar nicht in Behandlung begeben könnten, wenn sie die Kosten selbst tragen müssen.

12'000 Notfälle pro Jahr

Die Gesundheitskommissionen beider Räte wollen dagegen einen Wechsel bei der medizinischen Notversorgung wegen Alkoholvergiftung. Wer zu viel trinke und deshalb ins Spital oder in die Ausnüchterungszelle müsse, soll für die Kosten selber aufkommen. Medizinische Behandlungen als Folge von übermässigem Alkoholkonsum seien grundsätzlich selbst verschuldet, deshalb sollten die Betroffenen die Kosten auch selber übernehmen, argumentierten die Parlamentarier. 
Der Vorentwurf der nationalrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit erntete in der Vernehmlassung Kritik. Mit einer Ausnahme sprachen sich alle Kantone gegen die Vorlage aus. Dagegen sind auch fast alle Leistungserbringer, drei Konsumentenschutzorganisationen sowie weitere Organisationen.
Im Jahr 2012 wurden in der Schweiz rund 12'000 Personen wegen übermässigen Alkoholkonsums notfallmässig im Spital behandelt. Derzeit sieht kein europäisches Land eine Beteiligung an den Behandlungskosten wegen einer Alkoholvergiftung vor.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

KPT bereut Tiefpreise: Der Kundenansturm war zu gross

Weil die KPT so tiefe Prämien anbietet, leidet sie unter dem Ansturm neuer Kunden. Auch von solchen, die in einem Jahr wieder gehen.

image

Fast jeder zweite Schweizer ist gegen eine Digitalisierung seiner Gesundheitsdaten

Vor allem gegenüber Privatfirmen sind Schweizerinnen und Schweizer skeptisch, was ihre Gesundheitsdaten anbelangt. Sie befürchten laut einer Deloitte-Umfrage Missbrauch und Überwachung.

image

«Krankenkassen verprassen unser Geld»

Nach einem kritischen Beitrag über Sport-Sponsoring geraten die Krankenkassen nun von den Prämienzahlern unter Druck.

image

Rega wählt FDP-Nationalrätin Petra Gössi in den Stiftungsrat

Die Schweizerische Rettungsflugwacht hat zwei neue Mitglieder in ihr Gremium gewählt: Petra Gössi und Gabriele Casso.

image

Covid-Pandemie: Bund und Kantonen steht ein neues Beratungsteam zur Seite

Die Covid-19 Science Task Force war einmal. Nun sorgt ein neues Team für die wissenschaftliche Expertise – vorerst ehrenamtlich. Vorsitzende ist Tanja Stadler.

image

Das sind die 20 teuersten Medikamente der Schweiz

Neue Medikamente werden häufig zu Umsatzrennern. Curafutura nennt die 20 Medikamente, die zusammen jährlich 1,7 Milliarden Franken kosten.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.