Achtsamkeitstrainings wirken entzündungshemmend

«Mindfulness Meditation» boomt wohl zu recht: Achtsamkeit fördert Fähigkeiten des Gehirns, mit Stress umzugehen. Dies zeigten US-Wissenschaftler in einer Studie, welche die neurobiologischen Prozesse während der Übungen untersuchte.

, 9. Februar 2016, 14:57
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Bewusst den Augenblick leben und wahrnehmen, mit allen Sinnen, Gedanken und Gefühlen: Achtsamkeitstrainings oder Mindfulness Meditation sind mehr als eine Modeerscheinung - sie sind eine Massenbewegung, wie das reiche Kursangebot mit entsprechender Nachfrage zeigt. Die zeitgemässe Methode zur Stressbewältigung ist daran, Yoga den Rang abzulaufen. 
Es gibt zahlreiche Studien und Hinweise, wonach sich die Übungen positiv auf die körperliche Verfassung und den Alterungsprozess auswirken. Über die Art und Weise, wie die Prozesse im Hirn ablaufen, war allerdings bislang nichts bekannt. 

Entzündungsmarker wird gehemmt

Eine neue, im Journal Biological Psychiatry veröffentlichte Studie der Carnegie Mellon University ist nun den neurobiologischen Prozessen auf den Grund gegangen. Die Wissenschaftler um Psychologe David Creswell fanden heraus, dass Achtsamkeitstrainings die Freisetzung des Entzündungsmarkers Interleukin-6 hemmen, was sich vorteilhaft auf Entzündungen im Körper auswirkt. 
In der Studie wurden 35 arbeitssuchende, gestresste Erwachsene entweder in ein intensives dreitägiges Mindfulness-Programm oder ein herkömmliches Entspannungstraining ohne Achtsamkeitsübungen gesteckt. Bei allen Teilnehmern wurden vor und nach dem Programm Hirnscans durchgeführt und Blutproben genommen. 

Hirnscans zeigen positiven Effekt

Die Auswertungen zeigten, dass das Achtsamkeitstraining die für die Impuls- und Stresskontrolle wichtigen Hirnregionen im Kortex positiv beeinflusste. Die Teilnehmer im Achtsamkeitstraining wiesen einen tieferen Level von Interleukin-6 auf als die anderen Probanden, bei denen die positiven Effekte im Hirn nicht registriert wurden.
«Wir glauben, dass durch das Achtsamkeitstraining ein neurobiologischer Marker freigesetzt wird, der die Stressresilienz verbessert», sagt Studienleiter David Creswell, Assistenzprofessor Psychologie der Carnegie Mellon University, in einer Mitteilung. Die Studie wurde zusammen mit Forschern der Universität Pittsburgh, Virginia Commonwealth University und Ohio State University verfasst.
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