Noch mehr Streit um Labor-Tarife

Der Bund hat keine Freude: Künftig sollen die Labore und die Krankenkassen die Tarife unter sich aushandeln.

, 2. Mai 2024 um 05:09
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Blutproben im Labor: Die Kosten für deren Analyse sind immer wieder ein Streitpunkt. | Pixabay
Über die Tarife für Laboranalysen wird schon mehrere Jahre gestritten. Zuletzt hat der Bund als «Übergangslösung» alle Tarife linear um zehn Prozent gesenkt. Das hat wiederum für Widerstand bei den Spitälern gesorgt. Das Spitalzentrums Biel zieht wegen der Kürzung sogar vor Gericht.

Bund erwartet Tarif-Blockaden

Nun droht ein weiterer Streit: Aufgrund einer Motion muss der Bund das Gesetz so ändern, dass künftig nicht mehr der Bund die Tarife festlegt, sondern die Anbieter und Krankenkassen die Tarife untereinander aushandeln.
Der Bund will zwar dem Willen des Parlaments nachkommen, kritisiert aber: «Es ist zu erwarten, dass es zu Blockaden der Tarifverhandlungen kommt.» Die Folgen seien absehbar: Die Neuregelung werde nicht wie erwartet die Kosten senken, sondern wegen des Mehraufwands sogar zu höheren Kosten führen.

«Homöopathisch dosierte Tarifsenkung»

Dem Preisüberwacher zufolge sind die Labortarife in den Schweizer Arztpraxen durchschnittlich 4,5 Mal so hoch wie in vergleichbaren Ländern. Auch im Spital- und Privatlabors sind sie mehr als doppelt so hoch wie im internationalen Vergleich.
Der Preisüberwacher nannte die erste Senkung per Anfang August 2022 als «bestenfalls eine homöopathisch dosierte Tarifsenkung». Derzeit prüft der Bund einzeln die Tarife sämtlicher Analysen und will die lineare Kürzung der Labortarife wieder aufheben, sobald er die Einzel-Tarife überarbeitet hat.
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