«Unsere Aufgabe ist es, die fachlichen Bedürfnisse der Ärzte in technische Spezifikationen zu übersetzen»
Das Freiburger Spital, das kürzlich beim «Symposium Digital Santé 2026» in der Romandie ausgezeichnet wurde, berichtet über seine auf KI basierende Lösung zur Optimierung der Erstellung von Konsultationsberichten.
Unter acht innovativen, auf künstlicher Intelligenz basierenden Projekten aus der Westschweiz überzeugte das Freiburger Projekt «Nablo». Es zielt auf die Optimierung des Verfassens von Konsultationsberichten.
Worum geht es konkret?
Nablo ist ein internes digitales Tool des HFR, das von der Direktion für Informationssysteme (DSI) in enger Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten der Orthopädie entwickelt wurde. Ziel ist es, die Erstellung von Arztberichten auf Basis von Konsultationen weitgehend zu automatisieren und damit den administrativen Aufwand für das medizinische Fachpersonal deutlich zu reduzieren.
Das Projekt wurde 2024 auf Initiative von Gianluca Maestretti, Chefarzt ad interim der Abteilung für orthopädische Chirurgie, und Fatos Ramadani, Oberarzt der Klinik, lanciert. Beide prüften zunächst die auf dem Markt verfügbaren Lösungen. Parallel dazu analysierte der Softwareentwicklungsingenieur Jérémie Rossier im Auftrag der IT-Abteilung verschiedene KI-basierte Technologien.
«Noch bevor die Zusammenarbeit begann, hatten sich sowohl der Ingenieur als auch die medizinischen Teams unabhängig voneinander für dieselbe Technologie entschieden», schreibt das HFR in einer Pressemitteilung. Die Wahl fiel auf Nabla, eine europäische Lösung, die auf das Verfassen von Konsultationsberichten spezialisiert ist.
Auf dem Weg zu einer massgeschneiderten Lösung
Schnell wurde jedoch klar, dass eine individuell angepasste Schnittstelle erforderlich war, um über die Grenzen der bestehenden Technologie hinauszugehen. So entstand das Projekt «Nablo».
«Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus der IT-Abteilung habe ich die Architektur von Nablo entwickelt und die Datenflüsse parametrisiert», erklärt Jérémie Rossier. «Wir arbeiten agil und in enger Abstimmung mit den Ärzten. Unsere Aufgabe besteht darin, medizinische Anforderungen in technische Spezifikationen zu übersetzen.»
Die Entscheidung für eine massgeschneiderte Lösung erwies sich als strategisch sinnvoll: Sie ermöglicht die vollständige Kontrolle über die Daten, eine nahtlose Integration in bestehende Systeme sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung entsprechend den spezifischen Bedürfnissen der einzelnen Abteilungen. «Alle zwei bis drei Wochen zogen wir Bilanz, um regelmässig Feedback aus der Praxis einzuholen und gezielt weiterzuentwickeln», so Rossier.
Ein Hilfsmittel – kein Ersatz
Auch wenn Nablo als leistungsfähiges Administrationswerkzeug gilt, ist es nicht dazu bestimmt, ärztliche Entscheidungen zu ersetzen. Die KI erfasst und strukturiert ausschliesslich die während der Konsultation besprochenen Inhalte. Der generierte Bericht wird anschliessend von der Ärztin oder dem Arzt überprüft, angepasst und validiert.
Die Akzeptanz des Tools variiert jedoch je nach Abteilung. «Einige Bereiche entscheiden sich bewusst dafür, den Diagnoseteil vollständig von den Ärzten selbst verfassen zu lassen – insbesondere aus Ausbildungsgründen für Assistenzärztinnen und -ärzte», erklärt das HFR.
In der orthopädischen Abteilung zeigt der Einsatz von Nablo bereits positive Ergebnisse. Entsprechend wird das System schrittweise auf weitere Bereiche ausgeweitet. Die Gynäkologie sowie die pädiatrische Notaufnahme sollen Anfang Februar starten, während andere Abteilungen – etwa die Diabetologie oder die allgemeine Notaufnahme – sich derzeit in der Testphase befinden.
Bereits heute hat Nablo unter anderem dazu beigetragen, die zuvor unterbesetzte telefonische Sprechstunde der Sekretariate wieder zu eröffnen, Mitarbeitende zu entlasten und die Anzahl überfälliger Arztbriefe deutlich zu reduzieren.
So erklärt Fatos Ramadani in einem vom HFR produzierten Video: «Wir verzeichnen Einsparungen von mehreren hunderttausend Franken pro Jahr bei externen Sekretariatskosten.»