Temporärarbeit galt lange als unverzichtbare Lösung, um Personallücken in der Pflege zu schliessen. Doch inzwischen zeichnet sich ein deutlicher Wandel ab: Immer mehr Spitäler reduzieren den Einsatz temporärer Fachkräfte oder streben gar einen vollständigen Verzicht an.
Diese Entwicklung zeigt sich bereits in Zahlen: Das Unispital Zürich hat die Anzahl temporärer Vollzeitstellen von 60 auf 10 gesenkt, das Spital Bülach von 185 auf 30.
Nun zieht auch der Verband Zürcher Krankenhäuser eine klare Linie: Ab Sommer 2025 werden alle 35 Mitgliedsinstitutionen – darunter Akutspitäler, Reha- und Psychiatriekliniken sowie Pflegezentren – auf temporäres Pflegefachpersonal verzichten. Ziel ist eine nachhaltigere Personalstrategie, die sowohl die Pflegequalität als auch die Arbeitsbedingungen langfristig verbessert, so die
Mitteilung.
Faktor Pflegeinitiative
Der Einsatz von temporärem Pflegepersonal bringe eine Reihe von Herausforderungen mit sich: Die Teamarbeit leidet, die Einarbeitung ist aufwendig, und die höheren Kosten schlagen sich letztlich in steigenden Gesundheitsausgaben nieder, argumentiert der Verband.
Zudem erschwere eine hohe Fluktuation die langfristige Umsetzung der Pflegeinitiative, die eine stabile und gut ausgebildete Pflegebelegschaft erfordert.
«Der Verzicht stärkt nicht nur die interne Zusammenarbeit, sondern trägt auch dazu bei, die Pflegeberufe wieder attraktiver zu machen. Wir wollen den Pflegefachpersonen Perspektiven bieten, die langfristig Sinn ergeben», erklärt Christian Schär, Präsident des VZK
Gesundheitsdirektion
Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich begrüsst diesen Schritt: Laut Natalie Rickli, die Vorsteherin der Gesundheitsdirektion, verursacht der verstärkte Einsatz von temporärem Pflegepersonal in den Spitälern hohe Kosten. Zwar könnten temporäre Fachkräfte in bestimmten Lagen unterstützen, doch in letzter Zeit habe sich die Temporärarbeit zu einem Trend entwickelt, der den Spitälern zunehmend schade.
«Festanstellungen verbessern die Versorgungsqualität und die Teamzufriedenheit und kommen damit direkt den Patienten zugute. Es liegt an den Gesundheitsinstitutionen, u. a. durch flexible Arbeitszeitmodelle attraktive Arbeitsbedingungen zu ermöglichen», so Rickli.
Ein Keil?
Kritik hingegen kommt vom Personaldienstleister Careanesth. Während der VZK damit nachhaltige Personalstrategien stärken will, sieht Careanesth in dieser Massnahme eine unnötige Abgrenzung zwischen festangestellten und temporären Fachkräften. Die geplante Massnahme würden einen unnötigen Keil zwischen «Festangestellte» und «Temporäre» treiben, heisst es in einer Mitteilung..
Demnach sei Temporärarbeit kein Nachteil für die Pflegequalität, sondern könne – gezielt eingesetzt – die Teams entlasten und auf Schwankungen im Personalbedarf reagieren. Zudem seien die angeblich höheren Kosten nicht pauschal belegbar: Laut Studien führe der gezielte Einsatz von Temporärpersonal sogar zu Einsparungen.
Careanesth betont, dass flexible Arbeitsmodelle wesentlich zur Attraktivität des Pflegeberufs beitragen und Pflegefachpersonen im Beruf halten, anstatt sie zum Ausstieg zu bewegen.
«Temporärarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Personalstrategie – insbesondere in einem Umfeld mit hoher Fluktuation und Fachkräftemangel»: Dies sagt auch Alessia Schrepfer, Mitgründerin des Freelancer-Pools WeNurse: «Statt kategorischer Verbote braucht es nachhaltige Lösungen, die Flexibilität und Stabilität vereinen.» Eine Organisation wie WeNurse unterstütze Leistungserbringer dabei, langfristig starke Teams aufzubauen, indem es moderne Rekrutierungsstrategien mit gezielter Führungskräfteentwicklung und Prozessoptimierung kombinieren. «So entsteht eine Pflegeorganisation, die sowohl auf kurzfristige Engpässe reagieren als auch langfristige Stabilität gewährleisten kann.»