SGO: Spitaldirektoren informierten über Neuorganisation

KSGR-CEO Hugo Keune, Silvan Breitenmoser, CEO der Klinik Gut und Verantwortliche der SGO haben über die geplante Neuorganisation der Gesundheitsversorgung im Oberengadin informiert.

, 12. Januar 2026 um 07:49
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Samedan. Bild: zvg
Um eine Schliessung der Gesundheitsinfrastruktur im Oberengadin per Ende März 2026 zu verhindern, haben die Gemeinden der Region die Weichen für eine umfassende Neuorganisation gestellt. Ziel ist es, die Akutversorgung und die Langzeitpflege langfristig zu sichern – wenn auch mit strukturellen Einschnitten.
Kern des Vorhabens ist die Gründung der öffentlich-rechtlichen Anstalt «Sanadura». Sie soll künftig Verantwortung, Finanzierung und Steuerung der regionalen Gesundheitsversorgung bündeln und verbindlich regeln. Gleichzeitig ist Sanadura Voraussetzung dafür, dass zwischen den Trägergemeinden und den Leistungserbringern neue Leistungsvereinbarungen abgeschlossen werden können. Diese sollen das Spital, die Alterszentren sowie die Spitex umfassen und die medizinische Grundversorgung im Oberengadin auch über den 1. April 2026 hinaus sicherstellen.
Wie die «Engadiner Post» berichtet, informierten Vertreter der beteiligten Institutionen nun über den aktuellen Stand. Der CEO des Kantonsspitals Graubünden (KSGR), Hugo Keune, betonte dabei, dass es nicht Ziel sei, regionale Spitäler zugunsten des Zentrumsspitals in Chur zu schwächen. «Das macht keinen Sinn, weder für die Patienten noch für die Versorgung», sagte Keune. Dezentrale Strukturen, bestehende regionale Beziehungen und vorhandene Infrastrukturen müssten dort genutzt werden, wo dies sinnvoll sei. Zudem sei es dem Zentrumsspital aus Kapazitätsgründen gar nicht möglich, zusätzliche Patientinnen und Patienten in grossem Umfang zu übernehmen.

Standort Samedan soll bleiben

Zum künftigen Leistungsangebot äusserte sich Silvan Breitenmoser, CEO der Klinik Gut AG. Er verwies auf die Komplexität der laufenden Arbeiten und den hohen Zeitdruck. Viele Prozesse seien parallel abgelaufen und hätten hohe Anforderungen an Koordination und Entscheidungsfähigkeit gestellt; inzwischen sei jedoch eine funktionierende Projektorganisation etabliert.
Geplant ist, neben dem Standort der Klinik Gut in St. Moritz auch den Standort Samedan weiterzuführen – allerdings in reduziertem Umfang. Von den derzeit sieben Stockwerken sollen künftig noch vier genutzt werden. Die Zahl der Betten wird von aktuell 64 auf 36 reduziert. Zentral bleibe die Notfallversorgung, die weiterhin an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr gewährleistet werden soll. Auf eine Intensivpflegestation wird künftig verzichtet; stattdessen ist der Aufbau einer Intermediate-Care-Station vorgesehen, in der schwer erkrankte Patientinnen und Patienten überwacht werden können.
Erhalten bleiben sollen zudem die Fachbereiche Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Geburtshilfe, Pädiatrie und Radiologie. Auch Spezialangebote wie Onkologie und Dialyse sind weiterhin vorgesehen. Darüber hinaus könnten zusätzliche Fachbereiche im Belegarztmodell angeboten werden, sofern dies medizinisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Ziel sei es, das Angebot zu fokussieren und die Komplexität zu reduzieren. Hochspezialisierte Eingriffe wie grosse Bauchoperationen oder Thoraxchirurgie könnten künftig ins Zentrumsspital verlagert werden.

Unklare Folgen für das Personal

Noch offen sind die konkreten Auswirkungen auf das Personal. Für das geplante Angebot wird mit einem Bedarf von rund 180 Vollzeitstellen gerechnet. Wie viele Stellen tatsächlich abgebaut werden müssen, ist derzeit unklar, da etwa noch nicht entschieden ist, wer künftig Leistungen in Bereichen wie Gastronomie, Küche oder Reinigung erbringt.
Gemäss Breitenmoser erhalten die Mitarbeitenden entweder ein Vertragsangebot der neuen Spital Oberengadin AG, bleiben mit ihrem bestehenden Vertrag bei der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) angestellt, wechseln in die Alterszentren oder erhalten eine Kündigung durch die SGO. In den kommenden Tagen sollen die Mitarbeitenden erneut über den weiteren Ablauf informiert werden.
Über die Umsetzung des Sanierungsplans entscheiden die Stimmberechtigten der Gemeinden der Versorgungsregion Oberengadin an den Gemeindeversammlungen vom 4. Februar 2026 sowie – in St. Moritz – an der Urnenabstimmung vom 8. März 2026.

Timeline: Spital Oberengadin

2018
  • Das Spital Oberengadin wird von der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) betrieben.
  • Zur SGO gehören auch die beiden Alterszentren, die Spitex und die Beratungsstelle Alter und Gesundheit.
2018–2021
  • Die Trägergemeinden müssen jährliche Defizitbeiträge von rund 1,5 Millionen Franken an das Spital überweisen.
2022
  • In der neuen Leistungsvereinbarung (gültig bis Ende 2025) wird eine jährliche Abgeltung von 2,75 Millionen Franken festgelegt.
2023
  • Finanzielle Situation verschlechtert sich.
  • Trägergemeinden müssen zusätzlich 5 Millionen Franken nachschiessen.
2024–2025
  • Weitere Nachschüsse von jeweils 4 Millionen Franken pro Jahr nötig.
Frühjahr 2025
  • Integrationsprojekt «Albula»: Vorschlag zur Eingliederung des Spitals in das Kantonsspital Graubünden wird den Stimmberechtigten der Trägergemeinden vorgelegt.
  • Trotz klarer Mehrheit scheitert die Vorlage am Vetorecht einzelner Gemeinden.
2025 (nach Integrationsabstimmung)
  • Stiftungsrat der SGO beantragt eine zweijährige Übergangsfinanzierung für 2026–2027 (insgesamt 50,8 Millionen Franken).
  • Auch diese Vorlage scheitert, da vier von elf Gemeinden ablehnen, trotz Mehrheit der Stimmberechtigten.
4. Dezember 2025
15. Dezember 2025
  • Die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin hat erste Eckpunkte ihres Sanierungsplans vorgestellt: Das Kantonsspital Graubünden übernimmt ab März, das medizinische Angebot wird verkleinert, Stellen fallen weg.


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