Santésuisse stellt sich erstmals offiziell hinter Tardoc

Santésuisse, Curafutura und die Ärztevereinigung FMH haben ein neues Tarifbüro gegründet. Jetzt wollen die Verbände gemeinsam den neuen Tarif entwickeln.

, 17. November 2022 um 08:14
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Zurück am Verhandlungstisch wurde vereinbart, dass spätestens per Anfang 2025 ein neuer Ärztetarif eingeführt werden soll. | Symbolbild Freepik
Der Krankenkassenverband Santésuisse hat sich lange gegen den neu einzuführenden Einzelleistungstarif Tardoc gewehrt. Mit dem Tarifwerk würden die Fehler des alten Tarifs Tarmed zementiert, was zu mehr Behandlungen und damit zu höheren Kosten und Prämien führen würde, lauteten unter anderem die Argumente gegen Tardoc.
Nun ist es zu einer ersten Annäherung gekommen. Vor kurzem wurde die «Organisation ambulante Arzttarife AG» (OAAT) in Bern gegründet. Das Tarifbüro soll die Einführung und Weiterentwicklung einer neuen Tarifstruktur übernehmen. Die Verbände Santésuisse und Curafutura sind gleichermassen daran beteiligt, ebenso die Ärzteverbindung FMH, die Spitäler und die Unfallversicherer.
Ziel ist es nun, in den kommenden Monaten die beiden vorliegenden Tarifstrukturen, die ambulanten Pauschalen und der Einzelleistungstarif Tardoc, zu kombinieren. Der ambulante Bereich umfasst ein Volumen von jährlich 12 Milliarden Franken. Bis Ende 2023 sollen die Tarife unter Dach und Fach sein, am 1. Januar 2025 sollen sie dann in Kraft treten.

Kommt es zur Wiedervereinigung?

Bislang haben die zwei Krankenkassen-Verbände separate Tarifstrukturen verfolgt und sind bekanntlich zerstritten. Santésuisse entwickelt mit dem Spitalverband Hplus derzeit ambulante Pauschalen, während die Ärzteschaft und Curafutura den Einzelleistungstarif Tardoc erarbeitet hatten und dem Bundesrat mehrmals erfolglos zur Genehmigung vorlegten. Bundesrat Alain Berset hat die Tarifpartner mehrfach zur Zusammenarbeit aufgefordert.
Die beiden Verbände Santésuisse und Curafutura wollen künftig nicht nur einen gemeinsamen Tarif-Weg einschlagen. Mittelfristig sei sogar ein Zusammenschluss das Ziel, so wie es bis 2013 war, sagte Curafutura-Präsident Josef Dittli am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Erste Gespräche zwischen den Präsidenten sollen bereits laufen.
Die gemeinsame neue ambulante Tariforganisation OAAT gilt gemäss Santésuisse als «Meilenstein» in den Tarifverhandlungen und als Grundstein für ein richtungsweisendes Tarifwerk. Sie steht unter der Federführung von Pierre-Alain Schnegg. Der Berner Regierungsrat soll dem Vernehmen nach denn auch massgeblich zur Annäherung der beiden Tarifpartner beigetragen haben.
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