«Wir haben keinen Plan B»

Die geplante Fusion des Unispitals Basel mit dem Kantonsspital Baselland ist politisch ins Stocken geraten. Was ein Scheitern für Folgen hätte, sagt USB-Mann Thomas Pfluger.

, 3. Dezember 2018 um 16:51
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Die grosse Spitalfusion zwischen dem Basler Unispital und dem Kantonsspital Baselland steht im Gegenwind. Droht sie zu scheitern?
Ich finde, die Aussichten auf eine erfolgreiche Volksabstimmung stehen gut. Wir bekommen viel Zuspruch – von aussen ebenso wie von unseren Mitarbeitern.
Im Kanton Basel-Landschaft ist die FDP gegen die Fusion. Im Kanton Basel-Stadt sprach sich etwas überraschend die schwergewichtige SP gegen die Fusion aus.
Natürlich besteht ein Risiko, dass es nicht klappt. Im Februar hat das Volk das letzte Wort. Wenn die Stimmberechtigten keine Fusion wollen, müssen wir dies akzeptieren. Wir bereiten uns auch auf diese Option vor. Einen vollständig ausgearbeiteten Plan B haben wir nicht, da wir überzeugt sind, dass der Zusammenschluss mit dem KSBL der beste Weg ist.
Was würde ein Nein bedeuten?
Dass die beiden Kantone die grösste Chance verpassen, die es für die öffentlichen Spitäler der Grundversorgung seit Jahrzehnten gibt. Uns ist schon lange klar, dass es diese Fusion braucht. Zwar kann sich das Universitätsspital Basel (USB) auch alleine weiterentwickeln. Dies aber bedeutend weniger effektiv, als dies das fusionierte Grossspital könnte.
Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Wir könnten nicht wie geplant Schwerpunkte setzen, indem wir Aufgabengebiete auf die einzelnen Standorte verteilen. Auch Effizienzsteigerungen wären nicht im geplanten Ausmass möglich. Ebenso können wir dann das geplante innovative ambulante Angebot auf dem Bruderholz nicht realisieren.
Woher erklären Sie sich den Widerstand gegen die Fusion?
In der Politik existiert zwischen den beiden Basler Halbkantonen grosses Misstrauen. In der Stadt ist man etwa wegen der Erfahrungen mit der gemeinsamen Uni ernüchtert. Das schadet nun auch dem Fusionsprojekt. Es gibt aber auch valide Argumente auf der Seite der Gegner. Wie jedes Grossprojekt hat auch die Fusion ihre Risiken.
Was heisst das konkret?
Die Fusionspläne beruhen auf gut fundierten Annahmen. Doch die Rahmenbedingungen ändern sich laufend. Es ist also gut möglich, dass die Pläne angepasst werden müssen. Zudem müssen für die Fusion die Gesamtarbeitsverträge der beiden Spitalgruppen vereinheitlicht werden. Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern laufen. Wir werden für alle eine gute Lösung finden. Aber es ist klar, dass letztlich Einzelne dennoch unzufrieden sein werden.
Das Kantonsspital Baselland (KSBL) machte zuletzt wiederholt mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam. Ist ein solcher Fusionspartner nicht eine Bürde?
Viele der Schlagzeilen sind mit Vorsicht zu geniessen. Herausfordernd sind aber sicher folgenreiche Entscheide, die am KSBL vor vielen Jahren gefällt wurden. Wir sind sicher, dass die Nachteile der Fusion durch die Vorteile bei weitem wettgemacht werden. Die Spitalstudie 2018 von Pricewaterhousecoopers hat es einmal mehr gezeigt: Grössere Spitäler können sich auf dem Markt besser behaupten. Die Fusion ist eine faktenbasierte Notwendigkeit, von der das USB, seine Mitarbeitenden und die Bevölkerung profitieren.
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