Im Verwaltungsrat der Spitäler von Thun und Zweisimmen (STS AG) brodelt es. Ursache der Streitigkeiten ist
laut einem Bericht der Zeitung «der Bund» die Suche nach einem Chefchirurgen im letzten Herbst. Verwaltungsratspräsident Thomas Bähler habe «im Alleingang» mit dem neuen Chefchirurgen verhandelt, sagt ein namentlich nicht genanntes Verwaltungsratsmitglied der Zeitung.
Der VR wählte zudem in Abwesenheit von Iris Baumgartner
den vorgeschlagenen Kandidaten Georg Linke im Oktober einstimmig. Die leitende Chefärztin am Inselspital und Vizedekanin an der medizinischen Fakultät der Universität Bern kündigte daraufhin ihre Demission an.
«Aufgrund der vorhandenen Dokumente war etwa unklar, weshalb zwei Schweizer Bewerber nicht berücksichtigt wurden», sagte Baumgartner der Zeitung. Seit Dezember nimmt sie dem Bericht zufolge nicht mehr an den Sitzungen teil.
Konkurrenzkampf mit dem Inselspital?
Mit der Personalie Linke habe dies aber nichts zu tun, sagt sie. STS-Verwaltungsratspräsident Thomas Bähler widerspricht: Baumgartners Rücktritt sei eine direkte Folge von Linkes Wahl gewesen.
Zudem hätte das Inselspital, so bestätigen mehrere Quellen, gerne einen ihrer Ärzte auf dem Oberländer Chefarztposten gesehen. Die STS AG wollte dagegen einen unabhängigen Arzt, der zudem auch schwerere Eingriffe durchführen kann, wie im Bericht weiter steht.
«Wie Wölfe und Raubtiere»
FDP-Grossrat Hans-Jörg Pfister – gleichzeitig VR-Mitglied der STS AG – fordert nun in einem parlamentarischen Vorstoss vom Regierunsgrat Antworten zu den Vorgängen im Verwaltungsrat der öffentlichen Spitalgruppe.
Pfister spricht zudem gegenüber der Zeitung von einer grundsätzlichen «ungesunden Gesprächskultur» im Verwaltungsrat. Abweichende Meinungen würden nicht akzeptiert.
In seinem Vorstoss moniert er auch, dass sich die STS AG und das Inselspital wie «Wölfe» und «Raubtiere» aufführten. Wenn es darum gehe, das eigene Unternehmen zu positionieren, werde auf Einzelpersonen keine Rücksicht genommen.