Lausanner Brustmedizin-Team gehen in die Hotellehre

Das Universitätsspital Lausanne lässt sich von der Spitzenhotellerie inspirieren: Das Personal soll die Patienten persönlicher in Empfang nehmen.

, 27. Oktober 2021 um 12:55
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Auf den ersten Blick mag es seltsam tönen: 15 Angestellte des Brustzentrums im Lausanner Universitätsspital CHUV besuchen einen Kurs der Hotelfachschule Lausanne (EHL). So abwegig ist das allerdings nicht.

40 bis 70 Angestellte pro Patient

Denn das CHUV hat – genau wie andere grosse Spitäler – ein Problem: Weil die Medizin immer technischer und komplizierter wird, steigt die Zahl der Personen, die sich mit demselben Patienten befassen. Am CHUV sind es schon bei einer Standardbehandlung mittlerweile zwischen 40 und 70 Personen.
Für die Patienten ist das irritierend. Philippe Eckert, Generaldirektor des CHUV, findet, dass der Empfang des Patienten ein wesentlicher Bestandteil der Pflege sei. «Ohne einen persönlichen Empfang kann es keine qualitativ hochwertige Pflege geben.»

Wie in der Spitzenhotellerie

Das Spital hat nun zusammen mit der Hotelfachschule Lausanne ein Lehrprogramm entwickelt. Michel Rochat, Chef der EHL-Gruppe, ist nämlich gleicher Meinung wie der Spitaldirektor: «Genau wie Hotelgäste haben auch Patienten heute höhere Erwartungen an die Servicequalität in Spitälern.»
Am neuen Kurs nimmt vorerst ein Team des CHUV-Brustzentrums teil. Der Kurs ist freiwillig und richtet sich an Ärzte, Pflegepersonal und an Verwaltungsangestellte. Warum sein Team am Kurs teilnimmt, begründet Khalil Zaman, Leiter der senologischen Spezialsprechstunde des CHUV, folgendermassen: «Die Medizin lässt sich von der Spitzenhotellerie inspirieren, damit wir den Empfang so persönlich wie möglich gestalten. Denn die Begrüssung ist der erste Ausdruck unseres Respekts gegenüber dem Patienten.»

Die medizinische Versorgung wird zunehmend aufgesplittert

Die Pflege und Betreuung von Patienten wird auf zunehmend mehr Personal aufgeteilt. Diese Fragmentierung der Versorgung wird gefördert durch Zeitdruck und auch durch finanzielle Anreize: Bezahlt wird die Konsultation und nicht der Zeitaufwand. Das macht es für medizinische Personal zunehmend schwieriger, die Art von Unterstützung und Nachsorge zu leisten, die vor 20 Jahren angeboten wurde. Ärzte müssen sich auch viel schneller ein Bild von Patienten machen, die sie nie zuvor gesehen haben. «Das ist ein bisschen so, als ob man ein Buch auf Seite 200 aufschlägt und dann aufgefordert wird, Seite 201 zu schreiben», schreibt der amerikanische Arzt und Autor Eric Topol. Solche Entwicklungen haben das CHUV dazu veranlasst, das Personal im persönlicheren Umgang mit den Patienten zu schulen.
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