Eine Implantation der Cochlea (Hörschnecke) wird bei tauben Patienten angewendet und erfordert absolute Präzisionsarbeit. Um das Implantat ins Ohr einzubringen, muss ein Chirurg manuell hinter der Ohrmuschel einen exakten Zugang durch den Schädelknochen bis ins Innenohr herstellen.
Dabei muss einerseits ausreichend Knochen entfernt werden, um die notwendige Sicht auf das Innenohr zu gewährleisten, anderseits müssen Verletzungen der im Knochen verlaufenden Gesichts- und Geschmacksnerven vermieden werden. Die Implantatelektrode wird danach in die Hörschnecke eingebracht und erlaubt dem Patienten, wieder zu hören.
Stefan Weber, Kate Gavaghan, Wilhelm Wimmer, Tom Williamson, Nicolas Gerber, Juan Anso, Brett Bell, Arne Feldmann, Christoph Rathgeb, Marco Matulic, Manuel Stebinger, Daniel Schneider, Georgios Mantokouids, Oliver Scheidegger, Franca Wagner, Martin Kompis, Marco Caversaccio: «Instrument flight to the inner ear» - in: «Science Robotics», 15. März 2017Instrumentenflug durchs Innenohr
Wegen der engen Platzverhältnisse im Innenohr muss der Roboter auf wenige Zehntelmillimeter genau bohren können. Für den Chirurgen gibt es kein direkte visuelle Kontrolle. Damit die Sicherheit des Bohrvorgangs gewährleistet ist und die Chirurgen wissen, ob der Roboter auf dem vorgesehenen Weg ist, sind verschiedene voneinander unabhängige Sicherheitsmechanismen nötig. Diese wurden in diesem Verfahren erstmalig angewendet. Sie sind vergleichbar mit dem «Autopiloten» eines modernen Flugzeugs, das auch bei fehlender Sicht fliegen kann.
Langjährige interdisziplinäre Zusammenarbeit
«Diese erste roboterassistierte Cochlea-Implantation ist das Ergebnis einer Dekade gemeinsamer interdisziplinärer Forschung von Ingenieuren, Chirurgen, Neuroradiologen, Neurologen und Audiologen», sagt Marco Caversaccio, Direktor der Universitätsklinik für HNO, Kopf- und Halschirurgie am Inselspital Bern. Der Schritt in die Klinik sei ein erfolgreiches Beispiel der Translation von Forschungsarbeiten.
Video über die Cochlea-Implantation