Zürich kehrt temporären Pflegefachleuten den Rücken

Mehrere Zürcher Spitäler haben den Einsatz temporärer Pflegekräfte deutlich reduziert – am Spital Zollikerberg sanken dadurch die Kosten innert zwei Jahren von 4,2 auf knapp eine Million Franken.

, 2. März 2026 um 10:49
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Pflegepersonal am Unispital Zürich. Bild: Daniel Winkler/USZ
Der Einsatz von temporären Pflegefachpersonen ist in den Zürcher Spitälern deutlich zurückgegangen. Das zeigt eine Umfrage des «SRF-Regionaljournals Zürich Schaffhausen». Am Kantonsspital Winterthur etwa habe sich die personelle Situation spürbar stabilisiert, sagt Pflegeleiterin Doris Rathgeb: Offene Stellen hätten besser besetzt werden können, deshalb sei man «weniger angewiesen auf Temporäre». Vor allem 2025 habe der Bedarf nochmals klar abgenommen.
Auch das Stadtspital Zürich konnte den Einsatz externer Kräfte reduzieren – unter anderem dank interner Personalpools. Konkrete Zahlen nennt das Spital Zollikerberg: Dort lag der Anteil an temporärem Pflegepersonal 2025 um 78 Prozent unter dem Wert von 2023 und um 63 Prozent unter dem Vorjahr. Entsprechend sanken die Kosten von 4,2 Millionen Franken im Jahr 2023 über 2,6 Millionen im Jahr 2024 auf zuletzt knapp eine Million Franken.
Die Spitäler betonen allerdings, der Spareffekt sei nur ein Aspekt. Entscheidend sei die höhere Kontinuität in den Teams: Der häufige Personalwechsel habe zuvor für Unruhe auf den Abteilungen gesorgt und die Pflegequalität belastet.

Verzicht auf Temporärpersonal

Brisant ist der Rückgang auch deshalb, weil er eine Debatte entschärft, die 2025 juristisch und politisch hohe Wellen warf: Im Februar 2025 hatten die Zürcher Spitäler über ihren Verband VZK angekündigt, gemeinsam ab dem Sommer auf Temporärpersonal in der Pflege zu verzichten.
Wenige Monate später zog der Verband die Mitteilung zurück und stellte klar, es gebe keinen gemeinsamen Beschluss; jedes Spital entscheide eigenständig über seine Personalpolitik.
Auslöser dürfte auch der juristische Druck gewesen sein: Der Branchenverband der Personaldienstleister Swissstaffing reichte bei der Wettbewerbskommission Anzeige ein und sprach von einem möglichen kartellrechtlich unzulässigen Boykott. Wettbewerbsrechtler bezeichneten das koordinierte Vorgehen als «hochriskant». Die Weko leitete zwar keine formelle Untersuchung ein, nahm aber eine Marktbeobachtung auf und sensibilisierte die Beteiligten für die kartellrechtlichen Grenzen.

Bessere Arbeitsbedingungen, interne Pools...

Die Spitäler verweisen ihrerseits auf längerfristige Strategien: bessere Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitangebote und den Aufbau interner Pools. Temporärpersonal soll nur noch punktuell eingesetzt werden, etwa bei kurzfristigen Ausfällen. Am Universitätsspital Zürich etwa waren im Mai 2025 von über 3700 Pflegeangestellten noch 3,6 Vollzeitstellen mit externen Temporärkräften besetzt.
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