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«Die Grundversicherten können in die Hände klatschen!»

Mit luxuriösen Suiten und anderen Zusatzangeboten wirbt das Kantonsspital Nidwalden in Stans verstärkt Selbstzahler an. Sind Gesundheitstouristen aus dem In- und Ausland eine Möglichkeit, öffentliche Krankenhäuser in ländlichen Gegenden zu erhalten? Spitaldirektor Urs Baumberger im Interview.

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«Gesundheit & Tourismus»: Herr Baumberger. Solche Suiten kannte man früher nur aus internationalen TV-Serien. Sind sie ausländischen Selbstzahlern vorbehalten?Urs Baumberger: Auf keinen Fall! Bei uns erhält jeder Privatversicherte automatisch eine solche Suite. Halbprivatversicherte erhalten ein gehobenes Einerzimmer und die Allgemeinversicherten ein Doppelzimmer.
Das Ganze hat etwas von einem Luxushotel. Wie sprechen Sie Ihre Klienten an: als Gäste oder als Patienten?Bei uns darf man Kunde, Gast, Mensch oder Patient sein.
Wie viel zahlt die Versicherung daran?Suiten für Privatversicherte oder Einerzimmer für Halbprivatversicherte werden von den Versicherungen übernommen. Zusatzleistungen aus der Hotellerie, Transporte, zusätzliche Zimmer, oder spezielle Sicherheit gehen natürlich extra.
Das Magazin «Bilanz» spricht von «Luxus-Spital im Gold-Standard». Wie reagieren die Einheimischen auf Ihre neuen Angebote?Sie sind mit uns sehr zufrieden; schliesslich ist ihre Versorgung ja unser erster Leistungsautrag. Dass wir einen höheren Anteil an Privat-, Halbprivatversicherten und Selbstzahlern versorgen, kommt letztlich den Einheimischen zugute. Die zusätzlichen Gewinne können wir in unsere Mitarbeitenden und die gesamte Infrastruktur investieren. Zur Eröffnung der Suiten titelte eine Zeitung treffend: «Der Grundversicherte kann in die Hände klatschen».
Sie führen ein öffentliches Krankenhaus. Wären solche Angebote nicht eher die Sache von privaten Anbietern?Die freie Spitalwahl, die neue Spitalfinanzierung und DRG-Pauschalen haben einen Wettbewerb unter den Spitälern angestossen. Öffentliche und private Spitäler gleichen sich daher immer mehr an.
Wir sehen uns als «öffentliches Privatspital» und bieten das beste aus beiden Welten. Dank der engen Kooperation mit dem Kantonsspital Luzern können wir zusätzlich die Vorteile des grossen Zentrumsspitals mit denen eines kleineren Regionalspitals kombinieren. Der Erfolg gibt uns Recht: wir konnten im vergangen Jahr im stationären Bereich und bei den Zusatzversicherten beachtlich zulegen.
Die alpine Region ist dünn besiedelt und es wird immer schwieriger, eine flächendeckende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Trägt der Gesundheitstourismus zur Finanzierung der Infrastruktur für Einheimische bei?Der Gesundheitstourismus kann allenfalls zur Wirtschaftlichkeit beitragen, mehr nicht. Nur wenige Anbieter mit exzellenten und differenzierenden Leistungen werden sich vom Kuchen des Gesundheitstourismus ein Stück abschneiden können.
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Kritiker argwöhnen, zugereiste Luxusgäste bräuchten gar nicht dieselben Geräte und Einrichtungen wie die Patienten, die in der Region leben. Gibt es da einen Gegensatz?Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es primär gutes Personal und eine entsprechende Infrastruktur. Für die allermeisten Behandlungen werden für Allgemeinversicherte oder Selbstzahler dieselben Geräte und Einrichtungen eingesetzt.
Daneben kann es vorkommen, dass für spezielle, nicht kassenpflichtige Behandlungen einzelne Geräte oder Einrichtungen für Selbstzahler angeschafft werden. Solche Investitionen sind aber nur möglich, wenn sie rasch amortisiert werden können.
Mit dem Waldhotel Bürgenstock hat ganz in der Nähe ein international bekanntes Gesundheitshotel den Betrieb aufgenommen. Profitieren Sie davon oder ist das eher eine Konkurrenz?Wir haben unsere Angebote partnerschaftlich gut abgestimmt und vertraglich vereinbart. Wir profitieren also voneinander. Im Zentrum steht der Gast: Er bekommt ein gut abgestimmtes, möglichst umfassendes Leistungsangebot aus beiden Häusern.
Nach der Behandlung in Ihrem Haus gehen viele Patienten in die Rehabilitation. Profitiert da die Innerschweiz ebenfalls?Durchaus. Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit der Rehabilitation des Waldhotels auf dem Bürgenstock aber auch mit anderen Institutionen in der Innerschweiz.
Es gibt in der Region einige Reha-Angebote und vereinzelt auch (Kur-)Hotels, die schon seit Jahren Zusatzversicherte, Selbstzahler und «Gesundheitstouristen» beherbergen und behandeln. Die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich und in der Regel problemlos. 
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    Urs Baumberger

    Urs Baumberger (55) ist seit 10 Jahren Direktor des Kantonsspitals Nidwalden in Stans (www.ksnw.ch) und Stellvertretender CEO des Luzerner Kantonsspitals. Das KSNW hat 560 Angestellte und jährlich rund 65‘000 Patientenkontakte/Konsultationen sowie 5‘350 stationäre Patienten. Baumberger ist Ingenieur mit Executive MBA und eidg. Dipl. Organisator. Er war früher 13 Jahre bei Hirslanden; davon leitete er sieben Jahre als Direktor ein Privatspital. Er tritt an der 5. Konferenz «Gesundheit & Tourismus» als Referent auf. www.udir.ch

Fachleute aus vier Ländern an der Konferenz «Gesundheit & Tourismus»

Wie bringt man Gäste und Patienten für medizinische Behandlungen und Therapien oder zur Prävention und Rehabilitation in die Berge? Und wie stellt man sich als Betrieb auf diese für viele noch neue Gästegruppe ein? Der Gesundheitstourismus im Alpenraum ist das Thema der Konferenz «Gesundheit & Tourismus», die am kommenden 11. September in Pontresina stattfindet.
Nach Jahren der Zurückhaltung lanciert Schweiz Tourismus nun die Vermarktung der Schweiz als Destination des Gesundheitstourismus. Die Präsentation dazu wird ebenso mit Spannung erwartet wie die neue Strategie der Heilbäder und Kurhäuser der Schweiz und ein Blick auf den Gesundheitstourismus im Südtirol. Auch erfolgreiche Geschäftsmodelle aus der Praxis bilden wieder einen Schwerpunkt der Konferenz: gezeigt werden Beispiele aus Hotels und Kliniken in drei Schweizer Kantonen.
Die bisher bekannten Referenten und Panelteilnehmer im Überblick:
  • Urs Baumberger | Direktor | Kantonsspital Nidwalden | Stans
  • Prof. Verena Briner | Medizinische Direktorin | Waldhotel Bürgenstock
  • Marcus Caduff | Regierungsrat | Kanton Graubünden
  • Letizia Elia | Head of Business Development | Schweiz Tourismus | Zürich
  • Markus Fisch | Klinikleiter | Reha Seewis | Seewis
  • Prof. Markus Lohmann | Tourismusforscher | Leuphana Universität | Lüneburg (D)
  • Max Nadig | Präsident | Heilbäder und Kurhäuser Schweiz | Herisau
  • Georg Schäppi | CEO | Hochgebirgsklinik | Davos
Neben den Referaten und Paneldiskussionen hat das Networking wiederum einen hohen Stellenwert. Kaffeepausen, ein Stehlunch und ein Apéro bieten genügend Zeit und Raum für den persönlichen Austausch und den Ausbau des Netzwerks. Die interregionale Konferenz zum Thema Gesundheitstourismus im Alpenraum findet bereits zum fünften Mal statt.
Informationen und Anmeldung unter www.udir.ch
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