Amtsärzte arbeiten an der Schnittstelle zwischen Medizin und Recht. Sie rücken aus, um fürsorgerische Unterbringungen zu prüfen oder aussergewöhnliche Todesfälle abzuklären und leisten so einen Service rund um die Uhr. Die Arbeit gilt als abwechslungsreich und interessant, trotzdem wird es immer schwieriger, dafür Ärztinnen und Ärzte zu finden.
In der Schweiz verfügen 19 Kantone über ein Amts- oder Bezirksarztmodell. In einer Umfrage der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) geben mehrere Kantone an, dass es künftig nicht mehr möglich sein werde, das Amtsarzt-Modell mit niedergelassenen Ärzten zu garantieren.
Rechtsmedizinische Institute übernehmen
Der Kanton Bern hat auf Ende 2014 allen Amtsärzten gekündigt – der Kanton Aargau wird das Modell auf Ende 2016 aufgeben. Die meisten Aufgaben werden dort von den rechtsmedizinischen Instituten abgedeckt.
Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK), der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) sowie der KKJPD wird einen Vorschlag ausarbeiten, wie die rechtsmedizinische Versorgung in der Schweiz optimiert werden könnte.
Kaum junge Amtsärzte
Das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen macht nun auf die «schwierige Situation» aufmerksam. Im Kanton St. Gallen sind derzeit noch zwei Amtsärztinnen und 21 Amtsärzte tätig. Die grosse Mehrheit sei über 50 Jahre alt, drei hätten das Pensionsalter schon länger erreicht, heisst es in einer
Mitteilung.
Die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann hat am Montagabend die Amtsärztinnen und Amtsärzte von St. Gallen als Anerkennung für den freiwilligen Einsatz in den Staatskeller eingeladen.