Pflegeinitiative: SBK gegen Medienberichte

Zwei Milliarden jährlich für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege? Nach Meldungen über Milliardenkosten wegen der Pflege-Initiative warnt der Personalverband SBK vor einer verzerrten Debatte.

, 20. Oktober 2025 um 04:00
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Die Kosten waren damals kaum ein Thema: Demo für die Pflegeinitiative, Bern, Oktober 2021  |  Bild: Unia
«Umsetzung der Pflege-Initiative dürfte für Prämienhammer sorgen»: Unter diesem Titel thematisierten die CH-Media-Zeitungen eine Rechnung des Bundesamts für Gesundheit BAG. Danach dürften bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege etwas mehr als zwei Milliarden Franken pro Jahr kosten – wenn die weitere Umsetzung der Pflegeinitiative so läuft, wie vom Bundesrat geplant.
Eine knappe Milliarde Franken Mehrkosten würden bei den Spitälern anfallen, etwas mehr als eine Milliarde im Feld der Pflegeheime und der Spitex. Die Zahlen waren beim letzten «Runden Tisch» zu den Gesundheitskosten präsentiert worden.

Vor- und nachrechnen

Die «Aargauer Zeitung» und ihre Geschwister-Medien rechnen nun weiter vor: Werden diese Mehrkosten normal finanziert, so käme mit der Umsetzung 2028 ein zusätzlicher Gesundheitskosten-Sprung von etwa 4 Prozent hinzu. Und heruntergerechnet auf die Prämien ergäbe dies Mehrkosten von über 1000 Franken pro Jahr für eine Familie mit zwei Kindern.
Allerdings sind dies bloss Schätzungen – mehrere Faktoren können das Bild noch verändern: Eventuell werden die Mehrkosten kaum über die Krankenkassenprämien finanziert. Oder das Parlament streicht diverse Massnahmen. Und schliesslich könnten sich dank der Massnahmen auch Einsparungen ergeben, zum Beispiel weil damit die Fluktuation sinkt.

«Panikmache»

Laut dem AZ-Beitrag hat die Verwaltung nun einen neuen Auftrag: Für die zuständige Nationalratskommission soll sie in verschiedenen Varianten aufzeigen, wie die Finanzierung angepackt werden könnte.
Auf die unsichere Gesamtlage verwies umgehend der SBK. Per Communiqué äusserte der Verband des Pflegepersonals am Sonntag den Verdacht, dass die Schätzungen der Kostenfolgen «nun im Vorfeld der bevorstehenden Kommissionsdebatte als Panikmache verwendet» würden.
«Das teuerste Szenario wäre, wenn die Politik keine wirksamen Massnahmen zur Erhöhung der Verweildauer im Beruf ergreift», sagt SBK-Geschäftsführerin Yvonne Ribi: «Die Investitionen in die Ausbildungsoffensive wären damit verloren, und viele Pflegende würden weiterhin dem Beruf den Rücken kehren.»
  • Clever statt teuer: Neue Wege für die Pflege. Die zweite Etappe der Pflegeinitiative lässt sich stemmen – auch ohne höhere Prämien oder mehr Steuergeld. Wenn man bereit ist, über den Tellerrand zu schauen.
Der finanzielle Druck auf die Gesundheitsinstitutionen laste schwer auf dem Personal. «Viele Arbeitgeber sind nicht mehr in der Lage, faire Arbeitsbedingungen zu finanzieren oder gar Teuerungsausgleiche zu gewähren.
In diesem Rahmen werde die «aktuelle Berichterstattung über die Kostenfolgen, insbesondere in der AZ, … vom SBK als polemisch betrachtet.» Die Kostenberechnungen seien vorläufige Schätzungen der Verwaltung, so Yvonne Ribi: «Das Parlament hat noch keine Entscheidungen getroffen, und Aussagen über die Mehrkosten sind daher aktuell spekulativ.» Deshalb könne sich der SBK dazu auch nicht äussern.


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