Eigentlich ist es bekannt: Die Entgelte im Gesundheitsbereich stehen unter Druck. Die Tarife der Hausärztinnen und Hausärzte stagnieren seit Jahren – genauso wie die Sätze in der Physiotherapie oder die Tarife im stationären Bereich. Und bei den Medikamenten gibt es auch regelmässige Preissenkungsrunden. Ein Beitrag des Think Tank Avenir Suisse fasst die Sache jüngst unter diesem Titel zusammen:
«Kostenexplosion? Im Gesundheitswesen sinken die Preise seit zehn Jahren».
Das ist wie gesagt nichts Neues – aber in den Debatten um die Gesundheitskosten mögen die Daten von Avenir-Suisse-Researcher Sonia Estevez interessant sein. Denn sie zeigen, welche Ausnahme die Gesundheit in der helvetischen Preisentwicklung darstellt. Während die Preise der Konsumgüter insgesamt stetig zulegen, sinken die Preise für Medikamente, therapeutische Geräte oder ambulante und stationäre medizinische Leistungen.
Konkret: Der Landesindex der Konsumentenpreise erhöhte sich in den letzten zehn Jahren um 5 Prozent. Derweil sanken die Preise im Gesundheitswesen seit 2014 um 4,4 Prozent.
Konkret reduzierten sich die Preise für ambulante medizinische Leistungen um durchschnittlich 0,2 Prozent pro Jahr, für stationäre Leistungen um 0,5 Prozent und für Medikamente um 1,6 Prozent. Die Ausnahme waren die zahnärztlichen Behandlungen: Da kletterten die Preise von 2014 bis 2023 um 12 Prozent.
Dass sowohl der Staat (zum Beispiel durch diverse Formen der Spital-Stützung) als auch die Prämienzahler trotzdem immer mehr Geld für Gesundheit ausgeben müssen, dies liegt an anderen Gründen, welche aber in der gesundheitspolitischen Debatte weniger beachtet werden. Sonia Estevez nennt zum einen das Bevölkerungswachstum – wobei allerdings die Gesundheitsausgaben auf Pro-Kopf-Basis in jenen zehn Jahren gestiegen seien, von 694 auf 869 Franken pro Monat: «Das Bevölkerungswachstum allein reicht also nicht als Erklärung.»
Die alternde Gesellschaft ist auch nicht der Haupttreiber der Gesundheitskosten
(mehr). Und so bleiben der medizinische Fortschritt und die steigende Nachfrage als Gründe. Auch dazu legt Avenir Suisse
einige Zahlen vor: Von 2012 bis 2022 stieg der Anteil der Personen, die mindestens einmal jährlich einen Arzt aufsuchten, von 78 auf 83 Prozent. Und die Konsultationen bei Psychologen erhöhten sich von 6 auf 10 Prozent.