Mordverdacht: Arzt soll Medikamente mit tödlicher Wirkung verabreicht haben

In Hannover wurde ein Arzt der Universitätsklinik verhaftet. Ermittler prüfen drei Todesfälle – mit Verdacht auf Morphingabe und eigenmächtigen Therapieabbruch.

, 6. März 2026 um 10:36
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Bild: Karin Kaiser / PD MHH
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover: Der 49jährige Mediziner könnte schwer kranke Patienten getötet zu haben. Konkret gibt es drei Verdachtsfälle aus den Jahren 2019 bis 2025.
Im Mai 2019 war der Mediziner als Notarzt zu einer Frau in einer Demenz-Wohngemeinschaft gerufen worden. Dabei soll er ihr eine hohe Dosis Morphin verabreicht haben.
Zwei weitere Verdachtsfälle betreffen Patienten, die auf einer Station der Universitätsklinik behandelt wurden. Der Arzt soll die Therapien der schwer kranken Patienten eigenmächtig beendet und ihnen Medikamente verabreicht haben, die zum Tod führten. Dies melden unter anderem der Norddeutsche Rundfunk, «Stern» und «Bild».
In einem Fall aus dem Jahr 2025 befand sich der Patient bereits in einem künstlichen Koma; die Ermittler prüfen deshalb das (erschwerende) Mordmerkmal der Heimtücke.
Die Medizinische Hochschule Hannover selbst brachte den Fall ins Rollen. «Wir nehmen die Situation sehr ernst», schreibt sie in einer Mitteilung: «Für uns hat die Sorge für die Patientinnen und Patienten und deren medizinische Behandlung höchste Priorität.»
Nachdem interne Untersuchungen «erste unbestätigte Hinweise auf einen möglichen Rechtsbruch» ergeben hätten, habe die Klinik den Fall umgehend bei der Staatsanwaltschaft Hannover angezeigt.
Der Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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