Semaglutid: Schweden sagt Nein zu Erstattung – aus Angst vor der Kostenlawine

Die zuständige Behörde rechnet mit massivem «Subventionsglidning»: Selbst enge Indikationen würden zu breiter Nutzung führen.

, 6. März 2026 um 09:22
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Angebot in einer Bäckerei in Stockholm  |  Bild: Jessica Guzik / Unsplash
Wer in Schweden mit Hilfe eines GLP-1-Rezeptoragonisten abnehmen will, muss das Medikament aus eigener Tasche bezahlen. Die zuständige Arzneimittelbehörde TLV entschied, dass das Adipositas-Medikament Wegovy nicht in das staatliche Erstattungssystem aufgenommen wird.
Das TLV argumentierte stark gesundheitsökonomisch. So erwartet die Behörde ein starkes «subventionsglidning» für den Fall, dass die Öffentlichkeit die Kosten übernimmt: Gemeint ist die Gefahr, dass die Abnehmspritzen am Ende deutlich breiter eingesetzt würden als ursprünglich vorgesehen.
Selbst wenn die Erstattung zunächst nur für eine eng definierte Patientengruppe gelten würde, sei eine stetige Ausweitung der Verschreibungen auf weitere Patientengruppen zu erwarten. Folglich dürften die Kosten für die Allgemeinheit massiv steigen.
Dabei hatte Novo Nordisk, der Hersteller von Wegovy aus dem Nachbarland Dänemark, die Erstattung gezielt für eine Hochrisikogruppe beantragt, nämlich für Menschen mit starkem Übergewicht und zusätzlichen Begleiterkrankungen.
Doch selbst hier meldete das Tandvårds- och läkemedelsförmånsverket TLV gewisse Bedenken an: Zweifellos könne das Medikament eine deutliche Gewichtsreduktion bewirken. Aber die Behandlung sei langfristig angelegt und damit mit hohen Gesamtkosten verbunden.
Der Entscheid könnte über Schweden hinaus Aufmerksamkeit finden. GLP-1-basierte Adipositas-Therapien gelten als medizinischer Durchbruch und stossen in allen Industrieländern auf grosse Nachfrage; zugleich mehren sich die Befürchtungen, dass den öffentlichen Gesundheitssystemen damit hohe Kosten aufgebürdet werden.
Zum Beschluss des TLV.


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