Innere Medizin: Teilzeit gewünscht, Ausstieg kaum Thema

Nicht nur Vollzeit-Karrieren, bessere Wertschätzung: Der Nachwuchs in der Inneren Medizin möchte Veränderungen. Er zeigt aber auch eine bemerkenswerte Bindung an den Beruf.

, 24. September 2025 um 14:49
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Bild: Screenshot, SGAIM SSMIG SSGIM
Wer in den Spitälern in der Inneren Medizin arbeitet, hätte am liebsten einen Teilzeitvertrag, ist nicht zufrieden mit der Work-Life-Balance – aber denkt trotzdem selten an einen Ausstieg. Dies in etwa die Botschaft, die eine Erhebung in zehn Spitälern der Schweiz ergab.
Konkret sagten 76 Prozent der befragten Mediziner aus, dass sie lieber Teilzeit arbeiten würden, mit dem üblichen Unterschied zwischen Ärztinnen (83 Prozent) und Ärzten (64 Prozent).
Die von den Abteilungen für Innere Medizin des Freiburger Spitals, des CHUV und des Inselspitals initiierte «COMET»-Studie beobachtet Assistenzärztinnen und -ärzte in der Schweiz und will den beruflichen Werdegang, die Weiterbildung und die Gesundheit in der Allgemeinen Inneren Medizin aufzeigen.
  • Marco Mancinetti, Franziska Peier, Vanessa Kraege, Stefanie Lea Mosimann, Julien Vaucher: «Comprendre les trajectoires des médecins en formation: l'étude COMET», in: «Revue Médicale Suisse», September 2025.
  • DOI: 10.53738/REVMED.2025.21.924.47368
Seit über einem Jahr nahmen bislang 245 junge Ärztinnen und Ärzte an der Studie teil, verteilt auf zehn Spitäler und Ambulatorien zwischen Nyon und Freiburg, Aarau und Zürich. Sie beantworteten mehrere Fragebögen in deutscher oder französischer Sprache, wobei eine jährliche Nachuntersuchung über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren vorgesehen ist.
«Abgesehen von den Arbeitszeiten liesse sich ein besseres Wohlbefinden in den Berufen der Grundversorgung erreichen durch die Aufwertung dieser Disziplinen bei Gleichaltrigen und in der Gesellschaft sowie über Erstattungsleistungen.» Mancinetti et al., 2025
Nur knapp 7 Prozent der Befragten bewerteten die Work-Life-Balance als «sehr gut», während 42 Prozent sie als «mittelmässig» erachteten und 17 Prozent die Note «schlecht» gaben. Die Autoren sind der Meinung, dass «über die Arbeitszeit hinaus ein besseres Wohlbefinden in den Berufen der Grundversorgung durch die Aufwertung dieser Disziplinen bei Kollegen, in der Gesellschaft und über die Erstattungsleistungen erreicht werden könnte».
Allerdings hat fast die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte (49 Prozent) keine Absicht, aus dem Beruf auszusteigen; 34 Prozent äussern eine geringe Absicht und 13 Prozent eine mittelstarke Absicht. Das heisst: Nur 4 Prozent gaben an, mit grosser Wahrscheinlichkeit den Beruf aufzugeben. Und weniger als 5 Prozent planen, die direkte Patientenversorgung in den nächsten fünf Jahren aufzugeben.

Und die Zukunft?

Natürlich sind das nur Indizien, und die befragte Gruppe ist nicht sehr gross. Doch die Studie deutet immerhin an, dass bei den jungen Ärztinnen und Ärzten der Allgemeinen Inneren Medizin vielleicht eine bessere Stimmung herrscht als in anderen Feldern und in späteren Jahren. Zum Vergleich: Eine Umfrage unter knapp 1'700 Fachärzten der Inneren Medizin ergab im November 2022, dass mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) Gefühle des Ausgebranntseins hatten; dass mehr als ein Drittel (36 Prozent) schon darüber nachgedacht hatte, die klinische Praxis aufzugeben; oder dass ein Viertel von depressiven Gefühlen oder Verzweiflung berichtete.
Und so planen nun 71 Prozent der Ärztinnen und Ärzte der «Comet»-Erhebung eine Internisten-Karriere. Die Autoren führen diesen doch soliden Wert auf die Schaffung eines einheitlichen SIWF-Titels für Allgemeine Innere Medizin im Jahr 2015 zurück, der ein breites Spektrum an Karriereoptionen biete und den Bestrebungen der neuen Generation entgegenkommt.
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