Zürcher Unispital entlässt Klinikdirektor fristlos

Der Direktor der Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie am USZ ist fristlos entlassen worden. Begründung: mutmassliche Vermögensdelikte.

, 24. Dezember 2025 um 11:29
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Bild: USZ

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Während 19 Jahren leitete ein Direktor am Universitätsspital Zürich (USZ) die Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie.
Gestern hat ihn das USZ fristlos entlassen. Und zwar wegen mutmasslicher «schwerer Pflichtverletzungen»; allerdings nicht am USZ, sondern an der Universität.
Die Klinikdirektorinnen und -direktoren haben eine Doppelanstellung. Weil die Aufgaben zwischen der Universität und dem USZ eng verbunden sind, haben die Spitaldirektion und der Spitalrat des USZ entschieden, den Direktor ebenfalls fristlos zu entlassen, wie die Medienstelle des Spitals auf Anfrage von Medinside mitteilt. Mit der Begründung: «Das USZ toleriert Pflichtverletzungen nicht.»
Die News-Site «Inside Paradeplatz» meldete, dass der Professor private Ausgaben über sein Spesenbudget an der Universität habe laufen lassen – unter anderem einen Flug nach Oman, den er zusammen mit seiner Tochter machte.

«Schwerwiegende Pflichtverletzungen»

Die Medienstellen des USZ und der Universität bestätigen lediglich, dass es sich um mutmassliche Vermögensdelikte handelt. Vor etwa drei Wochen habe die Universität Zürich bei einer internen Kontrolle «finanzielle Unregelmässigkeiten» festgestellt. «Die nachfolgenden vertieften Abklärungen haben schwerwiegende Pflichtverletzungen ergeben, die zu diesem Entscheid führten.»
Ob der Klinikchef auch am USZ allfällige Vermögensdelikte begangen hat, sei intern sofort abgeklärt geworden, beantwortete die Medienstelle eine entsprechende Nachfrage von Medinside. Es seien aber keine Anhaltspunkte gefunden worden.

Rolle bei Novartis

Das USZ und die Universität haben ein Strafverfahren gegen den Klinikdirektor eingeleitet. Dieses wird zeigen, ob und welche Vermögensdelikte er begangen hat. Zusätzlich trifft das USZ durch ein externes forensisches Audit weitere Abklärungen. Derzeit gilt die Unschuldsvermutung.
Der USZ-Klinikdirektor wurde in Kongressen in den USA zudem als Funktionär von Novartis vorgestellt, nämlich als Leiter des Hepatic Safety Team sowie als Global Head of Mechanistic Safety des Basler Pharma-Konzerns.
Auf der Suche nach einem Nachfolger hat sich ein anderer Klinikdirektor für einen intermistischen Einsatz bereit erklärt: Lars Huber, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, leitet die Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie zusätzlich zu seinen angestammten Aufgaben, bis die definitive Nachfolge geregelt ist. Lars Huber hat eben erst vom Stadtspital Zürich ans Universitätsspital gewechselt.
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