Vor sieben Jahren kam es im Geburtshaus Zürcher Oberland in Bäretswil zu einer tragischen Komplikation: Nach einem fünfstündigen Geburtsstillstand wurde die betroffene Frau mit der Ambulanz ins Spital Wetzikon gebracht. Dort versuchten die Ärzte das Baby zu retten. Doch es starb.
Nun sind drei damals beteiligte Hebammen des Geburtshauses wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das Geburtshaus weist die Vorwürfe zurück: Ein Geburtsstillstand von bis zu acht Stunden sei medizinisch vertretbar gewesen, die Herztöne des Kindes unauffällig.
Laut einem Bericht der
«NZZ» wurden den Behörden damals weitere Mängel im Geburtshaus gemeldet. Deshalb liessen sie zwanzig Fälle untersuchen, bei denen Mutter und Kind vom Oberländer Geburtshaus in ein Akutspital verlegt worden waren. Das Gutachten listete eine Reihe von Unzulänglichkeiten auf.
Näher zu ärztlicher Hilfe vom Spital Uster
Dem Geburtshaus in Bäretswil, wo jährlich knapp 200 Kinder auf die Welt kommen, drohte gar der Entzug des Leistungsauftrags, sollte sich die Zusammenarbeit mit den Verlegungsspitälern nicht massgeblich und nachhaltig verbessern. Das Geburtshaus hat darauf reagiert. Es will zudem seinen Standort in die
Nähe des Spitals Uster verlegen.
Geburtshäuser, die unabhängig von einem Spital betrieben werden, haben es oft schwer. Sie haben Probleme damit, im Notfall auf einen Rettungsdienst und ein Spital zählen zu können. Medinside berichtete über das
belastete Verhältnis zwischen Geburtshäusern und Spitälern.
Zürich fördert hebammengeleitete Geburten
Der Zürcher Regierungsrat fördert die hebammengeleitete Geburtshilfe seit 2023 mit einem neuen Leistungsauftrag. Die Gesundheitsdirektion möchte damit eine «hohe Qualität, Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit» in der Geburtshilfe unterstützen. Es sind nun vor allem
Spitäler, die neu eine solche Geburtshilfe anbieten.
Nur selten endet eine Geburt so tragisch wie im geschilderten Fall. Doch oft muss bei Geburten, die hebammengeleitet begonnen haben, doch ein Arzt oder eine Ärztin eingreifen.
Schneller ärztliche Hilfe beigezogen
Zahlen zeigen, dass dies bei hebammengeleiteten Geburten an Spitälern rascher passiert als in Geburtshäusern. Laut «NZZ» ordneten die Verantwortlichen in Spitälern in 290 von 703 Fällen eine ärztliche Intervention an. Bei den Geburtshäusern geschah dies bloss in 143 von 608 Fällen.