Frutiger Hebammen gründen eigene Praxis

Nach der Schliessung der Geburtshilfe am Spital Frutigen kommt es immer wieder zu ungewollten Haus- und Autogeburten. Fünf ehemalige Beleghebammen gründen deshalb eine Praxis in der Region, um die Lücke zu schliessen.

, 16. Dezember 2025 um 07:57
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Symbolbild: Unsplash
Nach der Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Frutigen im April 2025 gründen fünf ehemalige Beleghebammen eine eigene Praxis in der Nähe von Frutigen.
Ziel ist es, die Versorgung von Schwangeren im Kander- und Engstligtal wieder sicherzustellen und ungewollte Haus- oder Autogeburten zu vermeiden, wie das Regionalblatt «Frutigländer» berichtet.
Seit der Schliessung müssen werdende Mütter für Geburten ins Spital Interlaken fahren, teils mit langen Anfahrtswegen (Fahrzeit Frutigen ➡️ Interlaken ca. 30 Minuten, Adelboden ➡️ Interlaken ca. 50 Minuten).
Die Hebammen berichten von dramatischen Situationen seit der Schliessung: Eine Frau bekam auf dem Weg ins Spital Presswehen, eine Hebamme aus dem Tal eilte hinterher, unterstützte die Geburt und informierte die Ambulanz – das Kind kam unterwegs zur Welt.

Politische Stimmen

Auch politische Stimmen unterstreichen die Dringlichkeit: Grossrätin Beatrix Hurni (SP) berichtete im Kantonsparlament von mehreren ungewollten Hausgeburten und von der erwähnten Parkplatzgeburt. «Das ist ein traumatisches Erlebnis bei einem Ereignis, das eigentlich erfreulich sein sollte», sagte Hurni gegenüber dem «Frutigländer». Sie fordert, die Geburtshilfe wieder gesetzlich in die Grundversorgung aufzunehmen.

Angebot

Die neue Praxis soll nun diese Versorgungslücke schliessen. Geplant ist ein umfassendes Angebot: Geburtsbegleitung für unkomplizierte Fälle, Wehenarbeit, Beratung während Schwangerschaft und Wochenbett sowie Kurse rund um Familie und Kinder. «Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum Spital, sondern als Ergänzung», betonen die Hebammen.
Die fünf Frauen – Vera Boss, Anita Germann, Michelle Trachsel, Ilona Bürklin und Lidije Berisha – bleiben weiterhin als Beleghebammen am Spital Interlaken tätig. So können Risikogeburten stationär betreut werden, während unkomplizierte Fälle lokal begleitet werden.
Die Finanzierung soll über einen lokalen Gönnerverein erfolgen.
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