Erstmals sind mehr Kinder über- als untergewichtig

Es gibt immer weniger Kinder, die unterernährt sind – dafür immer mehr, die zu viel essen. Auch in der Schweiz. Das zeigt der neuste Uno-Bericht.

, 10. September 2025 um 13:08
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Kalorienreiche Verlockungen im Supermarkt. Symbolbild: Unicef
Zum ersten Mal gibt es auf der Welt mehr fettleibige als hungernde Schulkinder. Das stellt das Kinderhilfswerk Unicef der Vereinten Nationen (UNO) fest. Der Bericht «Feeding Profit: How Food Environments are Failing Children» basiert auf Daten aus über 190 Ländern. Demnach ist seit 2000 der Anteil untergewichtiger Kinder zwischen 5 und 19 Jahren von knapp 13 Prozent auf 9,2 Prozent gesunken. Der Anteil fettleiber Kinder ist hingegen von 3 Prozent auf 9,4 Prozent gestiegen. In allen Weltregionen, mit Ausnahme von Subsahara-Afrika und Südasien, kommt Fettleibigkeit inzwischen häufiger vor als Untergewicht.

Extreme Entwicklung im Pazifik

Auf einigen Pazifikinseln ist die Zahl der fettleibigen Kinder besonders hoch: In Niue sind 38 Prozent der 5- bis 19-Jährigen adipös, auf den Cook-Inseln 37 Prozent und in Nauru 33 Prozent. Diese Werte haben sich seit 2000 verdoppelt. Der Grund dafür: In diesen Ländern hat sich die Ernährung stark gewandelt. Statt heimischer Lebensmittel werden dort immer mehr billige, kalorienreiche Import-Lebensmittel gegessen.

So sieht es in Europa aus

In der Schweiz und deren Nachbarländern sind die Werte tiefer. Aber in der Unicef-Tabelle wird die Entwicklung der Zahlen als «worsening» – als Verschlimmerung – deklariert.
Mit 22 Prozent übergewichtiger Kinder zwischen 5 und 19 Jahren liegt die Schweiz knapp unter dem europäischen Durchschnitt von 24 Prozent. Auch beim Anteil fettleibiger Kinder liegt die Schweiz leicht tiefer als Europa.
Land
Anteil übergewichtiger Kinder %
Anteil fettleibiger Kinder %
Schweiz
22
7
Deutschland
25
8
Frankreich
17
4
Österreich
28
11
Italien
27
10
Europa
24
8
USA
42
21

Zu viel Fastfood in Läden und in Schulen

Der Bericht kritisiert, dass hochverarbeitete Lebensmittel und Fastfood die Supermärkte und Schulkantinen dominieren würden. Gleichzeitig erhalte die Lebensmittel- und Getränkeindustrie mit digitaler Werbung direkten Zugang zu den Kindern und Jugendlichen.
Eine weltweite Unicef-Umfrage unter 64 000 Jugendlichen in 170 Ländern ergab: 75 Prozent sahen in der Woche zuvor Werbung für Softdrinks, Snacks oder Fastfood. 60 Prozent gaben an, dass diese Werbung ihren Appetit auf solche Produkte gesteigert habe.

Softdrink- und Fastfood-Verbot in Mexiko

Der Bericht verweist auch auf positive Ansätze: In Mexiko, wo Softdrinks und hochverarbeitete Lebensmittel 40 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme von Kindern ausmachten, hat die Regierung den Verkauf solcher Produkte in öffentlichen Schulen verboten.
Unicef fordert zu weiteren solchen Massnahmen auf. Unter anderem schlägt sie den Regierungen vor, Junkfood an Schulen zu verbieten und das Lobbying der Lebensmittelindustrie bei politischen Entscheiden zu unterbinden.
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