Epic kostete die Insel 183 Millionen Franken

Erstmals informiert das Berner Inselspital über die Kosten seines US-Klinikinformationssystems: Zu den Anschaffungskosten kamen 100 Millionen Franken für die Einführung hinzu.

, 11. Februar 2026 um 07:37
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In der Epic-Kommando-Zentrale des Berner Inselspitals sassen am frühen Morgen des 2. März 2024 150 Fachleute bereit. | zvg
Insel-Direktorin Jennifer Diedler und Verwaltungsratspräsident Adrian Schmitter legen erstmals Zahlen auf den Tisch: Die Kosten des 2024 eingeführten Klinikinformations- und Steuerungssystem (KISS) Epic belaufen sich auf rund 183 Millionen Franken. Davon betrugen die externen Einführungskosten rund 102 Millionen Franken, wie es in einer Mitteilung heisst. Bis 2032 kommen ausserdem geplante Betriebskosten gemäss Epic-Vertrag von 45 Millionen Franken hinzu.
Diese Beträge sind brisant. Denn lange gab es viele Gerüchte über die Zusatzkosten des Projekts. Bekannt war nur, dass die Anschaffung gemäss Ausschreibung des Systems 83 Millionen Franken kosten würde. In der Endabrechnung ist es nun unwesentlich mehr – nämlich 104 Millionen Franken. Was aber überrascht, ist der grosse Zusatzaufwand für die Einführung, der die Kosten auf insgesamt 183 Millionen Franken hochtreibt.
«Diese Ausgaben fallen bei jeder Einführung eines neuen Systems an – unabhängig vom Produkt», sagte Jennifer Diedler gegenüber der «Berner Zeitung».

«Budget eingehalten»

Verwaltunsratspräsident Adrian Schmitter bilanziert: «Wir haben das Budget eingehalten, und es gab keine Mehrkosten.» Interessant sind seine weiteren Ausführungen: Er sei zwar kein Epic-Fan, sagte Schmitter, denn es gebe moderner ausgestaltete IT-Plattformen. Aber er findet die Leistungen von Epic trotzdem beeindruckend. Und: «Auch wenn das System teuer ist: Der Preis dürfte gerechtfertigt sein.»
Martin Fiedler, ärztlicher Direktor des Berner Inselspitals, sagte vor gut einem Jahr sogar: Würden sich alle Spitäler und Praxen an Epic beteiligen, wäre das EPD überflüssig.
Doch der nun bekannt gewordene Preis wird Folgen für die viele andere Schweizer Spitäler haben.

Epic für alle Berner Listenspitäler?

Im August wurde bekannt, dass der Kanton Bern alle seine Listenspitäler mit der Klinikinformationssystem Epic ausrüsten will. Damals warnte ein Gesundheits-IT-Spezialist gegenüber Medinside: das komme viel zu teuer.
Er äusserte eine Vermutung, die angesichts der hohen Kosten nun verstärkt wird: Der Kanton Bern wolle die hohe Investition in das neues Klinikinformationssystem Epic subventionieren, indem er die Berner Listenspitäler zwinge, ebenfalls mit Epic zu arbeiten.
Auch im Kanton Zürich sorgt die Entscheidung des Universitätsspitals Zürich (USZ) für Epic für Kritik. 77 Kantonsräte reichten eine Interpellation ein und stellten Fragen zu Datenschutz, Risiken, Kostensicherheit und Erfahrungen aus Bern. Sie verwiesen dabei explizit auf angebliche Budgetüberschreitungen beim Inselspital.
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