Bundesrat soll niedrigere Tarife für Angehörigenpflege verordnen

Krankenkassen und Kantone sollen nicht mehr über Qualität und Preis von Angehörigenpflege streiten: Der Bundesrat soll die Regeln aufstellen. Dies fordern zwei Motionen.

, 28. Januar 2026 um 07:26
image
SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen ist Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit und fordert vom Bundesrat klare Regeln für die Vergütung von Angehörigenpflege.
Vor drei Monaten kritisierte die SP-Nationalrätin Ursula Zybach den Bundesrat dafür, dass er einen zahnlosen Bericht zur Angehörigenpflege verfasst habe. Im Interview mit Medinside sagte Zybach damals: «Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundesrat Verantwortung übernimmt und klare Regeln definiert. Doch er hat es versäumt, einen OKP-Tarif für pflegende Angehörige festzulegen. Das ist aus meiner Sicht verantwortungslos.»
Nun greift die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerates (SGK-S) ein. Mit zwei Motionen will sie klare Verhältnisse für die Krankenkassen und die Kantone schaffen.
Der Bund soll deshalb grundlegende Regeln für die Angehörigenpflege festlegen und vor allem auch niedrigere Tarife verordnen. Die Vorstösse fordern Folgendes:
  • Der Bundesrat definiert die Grundpflegeleistungen, welche die pflegenden Angehörigen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abrechnen dürfen. Er muss diese Leistungen abgrenzen von der familiären Fürsorgepflicht. Das Alter und die Ausbildung der pflegenden Angehörigen muss geregelt werden. Ausserdem sollen die Spitex-Organisationen die Leistungen von pflegenden Angehörigen separat deklarieren müssen.
  • Gesamtschweizerisch soll es bei den Tarifen eine neue Kategorie für die pflegenden Angehörigen geben. Die entsprechenden Krankenkassenbeiträge sollen niedriger sein als die bisherigen Beiträge.
  • Die Kantone müssen bei der Zulassung von Spitex-Organisationen, die pflegende Angehörige anstellen, verbindliche Qualitätskriterien berücksichtigen.
  • Die Kantone sollen die Zahl der Unternehmen, welche Angehörigenpflege über die OKP abrechnen, beschränken dürfen.
«Die Angehörigenpflege darf nicht zu einem Geschäftsmodell werden» Ambitionslos und verantwortungslos - die SP-Nationalrätin Ursula Zybach ist vom Bericht des Bundesrats enttäuscht.

  • pflege
  • Angehörigenpflege
  • Ständerat
  • tarife
  • spitex
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Das Wallis hat seine erste Kantonspflegefachfrau

Emmanuelle Kerwien-Jacquier ist die erste kantonale Pflegefachperson des Wallis. Auch andere Kantone wollen eine solche Stelle einrichten.

image

Spitalzentrum Biel beteiligt sich an Spitex

Mit dem Einstieg bei der Spitex Biel-Bienne Regio treibt das SZB die Entwicklung eines vernetzten Versorgungsmodells voran. Die Zusammenarbeit wird vertieft – mittelfristig könnte ein Hospital@Home-Angebot entstehen.

image

Bundesrat: Kein automatischer Teuerungsausgleich für Spitäler

Der Bundesrat hält einen automatischen Teuerungsausgleich für Spitaltarife für «nicht sachgerecht». H+ warnt vor Unterfinanzierung.

image

Pflege bleibt Engpassberuf Nummer eins


Kaum ein Bereich sucht so intensiv nach Personal wie das Gesundheitswesen. Der neue Jobradar zeigt: Vor allem in der Pflege steigt die Zahl offener Stellen wieder in Richtung Rekordniveau.

image

Schweizer Gehälter locken Pflegende – deutsche Patienten zahlen den Preis

Seit Jahren zieht es Pflegefachleute aus deutschen Grenzregionen in die Schweiz – mit Folgen: Die Sterblichkeit in den betroffenen deutschen Krankenhäusern steigt.

image

Pflegeinitiative: Widerstand im Parlament – SBK empört

Die Gesundheitskommission des Nationalrats tritt bei der Umsetzung der Pflegeinitiative auf die Bremse. Höchstarbeitszeit, Normalarbeitszeit und Lohnzuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sollen weitgehend unverändert bleiben

Vom gleichen Autor

image

Bundesrat will bei Spitalplanung nicht eingreifen

Der Bund enttäuscht Gesundheitspolitiker: Er will die Spitalplanung weiterhin den Kantonen überlassen. Obwohl es ganz offensichtlich «Optimierungspotenzial» gibt.

image

Labor muss Krankenkassen Hunderttausende Franken zurückzahlen

Der Laborleiter war nicht genügend qualifiziert. Deshalb erhalten zwanzig Krankenversicherer insgesamt 375'000 Franken zurück.

image

Oberländer Spitalgruppen wollen mehr zusammenarbeiten

Die Spitäler FMI im Osten und das Spital STS im Westen rücken näher zusammen. Denn der Kanton sieht nur noch eine Spitalregion vor.