Jahreslohn 640'000 Franken? Stirnrunzeln über Spitex-Spitzenlöhne

Ein Bericht zu den Jahresabschlüssen privater Spitex-Betriebe wirft ein neues Licht auf die Saläre im Gesundheitswesen. Zeit für einige Zahlen.

, 23. Januar 2026 um 14:56
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KI-Symbolbild: Medinside mit ChatGPT
Die Reaktionen in den sozialen Medien kamen prompt: «Und dann die Chefarztlöhne kritisieren…», lautete beispielsweise ein Linkedin-Kommentar zum Bericht. In der Tat: Wenn ein Geschäftsleitungsmitglied einer Spitex über 640'000 Franken verdient, dann erscheinen all die Polit-Debatten um Arzt-, Chefarzt- und Krankenkassenmanager-Saläre plötzlich in einem neuen Licht.
Was war geschehen? Ein Institut der Zürcher Gemeinden namens GeKoZH hatte die Jahresabschlüsse von 64 privaten Spitex-Betrieben analysiert. Der Bericht verriet unter anderem, dass die Spitex-Spitzenleute verblüffend gut verdienen. Über 60 Prozent der Geschäftsleitungs-Mitglieder erhalten mehr als 150'000 Franken brutto pro Jahr. 20 Prozent bekommen über 300'000 Franken. Und der Spitzenwert lag, eben, bei 643'500 Franken.
Dabei ist zu bemerken, dass die gewinnorientierten Spitex-Unternehmen in der Schweiz durchschnittlich 9,8 Vollzeitstellen aufweisen. Die gemeinnützigen Spitex-Betriebe sind derweil deutlich grösser: Im Schnitt haben sie knapp 36 Stellen.

Der Lohnklassen-Graben

Erstaunlich war der Zürcher Bericht, weil man bei der Spitex eher an ein mässigeres Lohnniveau denkt als bei Spital- oder Versicherungskonzernen. Was ist also Sache?
Ein Blick auf öffentlich greifbare Daten zeigt: Bei Spitex-Managementfunktionen liegen die Jahreslöhne grob zwischen etwa 110’000 und gut 200’000 Franken; die Saläre schwanken je nach Funktion, Region, Trägerschaft und Betriebsgrösse. Die Vergleichsplattform Kununu führt beispielsweise einen Spitex-Controller-Jahreslohn von 166'000 Franken auf.
Für die Geschäftsführer finden sich in Bewertungsportalen Durchschnittslöhne um 125’000 bis 155’000 Franken, mit Spannen bis 190’000 Franken. In Spitzenpositionen von privaten Spitex-Betrieben können vereinzelt deutlich höhere Löhne von über 300’000 Franken erreicht werden.
«Löhne von 200'000 bis 300'000 Franken sind im Kanton Zürich absolut gerechtfertigt», sagte die Vizepräsidentin der Association Spitex privée Suisse, Katharina Hadorn, gegenüber Fernsehen SRF.
Verwaltungsrats- oder Präsidialentschädigungen sind wohl ebenfalls stark schwankend; vor einigen Jahren wurde es in Bern zum Thema, dass die Präsidentin von Spitex Bern für ein 90-Prozent-Pensum rund 180’000 Franken pro Jahr erhält.
Allgemein scheint ein grosser Graben zu klaffen zwischen privaten und öffentlichen Betrieben (welche sich oft an den kantonalen Lohnklassen orientieren). Der Spitex-Verband Thurgau beispielsweise empfiehlt für eine Geschäfts-/Betriebsleiterin eine Lohnklasse, deren Grundlohn bei 105'000 Franken einsetzt. Es gibt eine Lohnempfehlung des Spitex-Verbands Zürich, wonach eine Spitex-Betriebsleiterin in einer kleinen Organisation etwa 82’000 bis 105’000 Franken verdienen sollte – mit Aufschlag bei grösseren Betrieben oder langjähriger Erfahrung.
Für eine Pflegedienstleitung wiederum liegen die Jahreslöhne im Bereich von 110'000 bis 115'000 Franken. Dabei werden für die Spitex-Organisationen hier leicht tiefere Löhne empfohlen als in den kantonalen Spitälern, was sich teils damit erklärt, dass die Spitex weniger Nacht- und Wochenenddienste verlangt.
  • Quellen: Jooble — Flowork — Spitex Verband ThurgauSpitex Verband Zürich — VPOD — KununuKununu.

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