Spitalchefs sind standfester als man meint

Wer leitet heute die Schweizer Akutspitäler? Zum Beispiel: viele Leute, die von aussen kamen. Oder mehr Frauen als bei anderen grossen Arbeitgebern. Ein Report hat die Daten dazu.

, 1. Dezember 2023 um 00:00
letzte Aktualisierung: 14. März 2024 um 07:14
image
Klischeebilder: Darstellung von Durchschnitts-Spital-GL nach Angaben des Schilling Reports durch die KI Midjourney.
Ein Spital-CEO ist männlich, 52 Jahre alt und seit fünf Jahren in seiner Position. Er hat Medizin oder Betriebswirtschaft studiert sowie ein Nachdiplomstudium absolviert. Und: Er hat seine Karriere nicht einfach intern gemacht, sondern wurde oft von extern in seine Position berufen.
Dies das Durchschnitts-Porträt, das sich aus neuen Daten von Schillingpartners zeichnen lässt. Die Zürcher Executive-Seach-Firma untersuchte die Geschäftsleitungen von 60 grossen Akutspitälern in der Schweiz – nach Merkmalen wie Funktion, Ausbildung, Geschlecht oder Alter.

Ohne Pflege keine GL

Dabei zeigt sich auch, dass die Chefsessel in den Spitälern nicht so sehr Schleudersitze sind, wie man nach diversen Wechsel-Meldungen der letzten Monate vielleicht meinen könnte. Im Schnitt sind die heutigen GL-Mitglieder seit rund 6 Jahren im Amt – die CEO dabei ein bisschen kürzer (5 Jahre), die Chief Medical Officers und Chefärzte ein bisschen länger (7 Jahre).
Die Beratungsfirma Schillingpartners untersuchte für den Report die Geschäftsleitungen der 60 grössten akutsomatischen Spitäler der Schweiz. Das Sample umfasste Universitätsspitäler, Zentrumsversorger sowie einen Teil der übrigen Grundversorger. Es repräsentiert rund die Hälfte aller akutsomatischen Kliniken beziehungsweise gut 80 Prozent der entsprechenden Umsätze 2022.
Fast alle erfassten Spitäler haben mindestens einen Chefarzt oder eine Chefärztin in der GL (95 Prozent), und die Hälfte hat einen CMO im obersten Führungsgremium. Klar wird in den Zahlen auch die mittlerweile unbestrittene Bedeutung der Pflege: Bei 90 Prozent der untersuchten Spitäler sitzt die Pflege in der Geschäftsleitung ein. Zum Vergleich: Die IT-Verantwortlichen sind in gut 40 Prozent der Geschäftsleitungen vertreten.
Knapp ein Drittel aller erfassten Geschäftsleitungsmitglieder sind Frauen (29 Prozent). «Dieser Anteil ist im Vergleich zu den grössten 100 privatwirtschaftlichen Arbeitgebern im Schillingreport überdurchschnittlich», kommentiert der Bericht: «Dort beträgt der Frauenanteil lediglich 19 Prozent.»
  • Der Frauenanteil ist in den Spital-Geschäftsleitungen im Vergleich mit den 100 grössten Schweizer Arbeitgebern um 50 Prozent höher.
  • Die Hälfte der Spitäler haben einen Chief Medical Officer, aber nur 6 Prozent davon sind Frauen.
  • Bei zwei Dritteln der untersuchten Spitäler ist HR in der Geschäftsleitung vertreten.
  • Weniger als 15 Prozent der CFO haben ihre Position im Rahmen einer internen Beförderung erhalten – alle anderen wurden von extern rekrutiert.
In den Spitälern entspricht das Verhältnis aber sonst einem gängigen Muster: Bei den CFO's ist knapp jede fünfte Person eine Frau (18 Prozent), bei den CEO's liegt die Quote ähnlich tief (21 Prozent), während bei der HR-Leitung (59 Prozent) die Frauen leicht Oberhand haben. Und in der Leitung Pflege ist der weibliche Anteil definitiv sehr hoch (79 Prozent) – derweil ihr Anteil bei den Chefärzten (10 Prozent) und den CMO (6 Prozent) immer noch sehr tief ist.
Wie erwähnt, sind die Mitglieder des Spital-Top-Managements im Schnitt 53 Jahre alt. Das jüngste GL-Gremium hatte einen Altersdurchschnitt von 45 Jahren, das älteste einen von 59 Jahren.
Erstaunen mag, dass die Spitäler sich überdurchschnittlich oft von aussen verstärken. Das konservative Modell der internen Karriere erscheint hier keineswegs die Norm. Denn in den Schillingpartners-Erhebung lag der Anteil der internen Berufungen über alle GL-Mitglieder hinweg bei 35 Prozent. Oder anders: Zwei von drei GL-Mitgliedern waren von aussen rekrutiert worden.
«Dies unterscheidet sich deutlich von den 100 grössten Unternehmen in der Privatwirtschaft, bei denen 60 Prozent der GL-Mitglieder bereits vor ihrer Berufung in die GL im Unternehmen tätig waren», so der Bericht. Bei den CMOs und der Pflegeleitung lag der Anteil der internen Besetzungen bei rund 50 Prozent.
  • spital
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

USZ macht Verlust von 49 Millionen Franken

Verantwortlich dafür sind unter anderem inflations- und lohnbedingte Kosten. Zudem mussten Betten gesperrt werden.

image

Auch das KSW schreibt tiefrote Zahlen

Hier betrug das Minus im vergangenen Jahr 49,5 Millionen Franken.

image

...und auch das Stadtspital Zürich reiht sich ein

Es verzeichnet einen Verlust von 39 Millionen Franken.

image

Kantonsspital Olten: Neuer Chefarzt Adipositaschirurgie

Urs Pfefferkorn übernimmt gleichzeitig die Führung des Departements Operative Medizin.

image

SVAR: Rötere Zahlen auch in Ausserrhoden

Der Einsatz von mehr Fremdpersonal war offenbar ein wichtiger Faktor, der auf die Rentabilität drückte.

image

Wie relevant ist das GZO-Spital? Das soll das Gericht klären.

Das Spital in Wetzikon zieht die Kantonsregierung vors Verwaltungsgericht – und will belegen, dass es unverzichtbar ist.

Vom gleichen Autor

image

Curafutura: Marco Romano folgt auf Sandra Laubscher

Der ehemalige Mitte-Nationalrat wird Leiter Gesundheitspolitik und Mitglied der Geschäftsleitung.

image

Versicherer bietet allen Kunden Gen-Tests an

Beim US-Konzern Mass Mutual können alle Versicherten zwischen 35 und 70 ihr genetisches Risiko für acht Erkrankungen prüfen lassen.

image

Radiologen gehen gegen Fernsehbeitrag vor

Die Gesellschaft für Radiologie will nicht akzeptieren, dass «10 vor 10» ihren Fachbereich als Musterbeispiel für missbräuchliche Abrechnungen darstellt.