Grossbritannien, Deutschland und USA: Weltweit nehmen Streiks im Gesundheitswesen zu, wie ein aktuelles
Beispiel vor ein paar Tagen in unserem Nachbarland exemplarisch zeigt. Können Arbeitsniederlegungen zu gesundheitlichen Schäden führen? In einer im Fachmagazin «British Medical Journal» veröffentlichten Studie untersuchten Gesundheitswissenschaftler um Ryan Essex von der Universität Greenwich in London die Auswirkungen von Streiks im Gesundheitswesen auf die Gesundheit.
Analysiert wurden mehrere Studien, um festzustellen, ob Streiks tatsächlich Menschenleben kosten. Einzelne Papiere zeigten beunruhigende Ergebnisse. Etwa eine Studie aus New York, in der an Tagen, an denen Pflegekräfte streikten, etwa 18 Prozent mehr Patienten starben als an gewöhnlichen Tagen. In der Summe der ausgewerteten Studien konnte jedoch kein klarer Zusammenhang zwischen dem Sterberisiko von Klinikpatienten und Arbeitsniederlegungen des Personals festgestellt werden.
Die «Süddeutsche Zeitung» hat die gesamte Analyse zusammengefasst. Positive Effekte bei Schizophrenie-Patienten?
Essex und seine Kollegen untersuchten auch mögliche nicht tödliche Gesundheitsfolgen von Streiks und fanden in der Mehrzahl der Studien nur geringe Auswirkungen. Eine der ausgewerteten Studien deutete sogar auf einen positiven Effekt von Arbeitsniederlegungen hin, da während eines Streiks israelischer Pflegekräfte stationär behandelte Schizophrenie-Patienten mehr Selbstständigkeit im Alltag zeigten.
Eine weitere Analyse zeigte, dass Streiks in Praxen und Kliniken durchaus Kapazitäten verringern und Abläufe durcheinanderbringen können. Allerdings gibt es auch positive Auswirkungen, wie eine effizientere Versorgung und kürzere Wartezeiten für Patienten an Streiktagen. Insbesondere wenn junge Mediziner streiken und erfahrenere Ärzte deren Tätigkeiten übernehmen, kann Zeit eingespart werden.
«Unterfinanziertes Gesundheitswesen birgt grundlegende Gefahren»
Insgesamt zeigte sich, dass Streiks zwar Störungen mit sich bringen können, aber im Allgemeinen sicher durchgeführt werden können. Es kommt auf die genauen Umstände an, wie wer streikt, wie lange gestreikt wird und welche Notfallpläne zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung vorhanden sind.
Ryan Essex zufolge birgt ein unterfinanziertes Gesundheitswesen jedoch grundlegende Gefahren, die die Arbeitskämpfe überhaupt erst auslösen können. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: «Wenn Streiks eine Chance haben, die Entwicklung schlecht funktionierender Gesundheitssysteme zu verändern, birgt auch das Unterlassen von Streiks Risiken.»