Medizintechnik: Diese Zentrifuge kostet nur 20 Rappen

Forscher der Universität Stanford haben ein ultragünstiges Gerät entwickelt, das Blut aufspaltet – inspiriert von einem uralten Spielzeug.

, 9. März 2017, 11:05
image
  • forschung
  • labor
Eine Zentrifuge hilft, Blutproben, Urin oder Speichel in Einzelbestandteile aufzuspalten – ein unverzichtbares Gerät in einem Labor. Doch diese Geräte sind teuer, fressen Strom und sind schwer zu transportieren. Das bekommen Mediziner in ärmlichen Regionen, bei Feldeinsätzen in entlegenen Regionen oder zerbombten Städten zu spüren – zum Beispiel bei der Diagnose von Malaria, HIV oder Tuberkulose.
Ein Wissenschaftlerteam um den Bioingenieur Manu Prakash von der Universität Stanford hat dafür eine Lösung: Die Forscher entwickelten eine Art Papier-Zentrifuge, die nicht nur ohne Strom funktioniert, sondern auch nur 20 Rappen kostet – und zwei Gramm wiegt. Auf die Idee brachte die Forscher ein mehr als 5’000 Jahre altes Kinderspielzeug: eine Art Ziehkreisel.

M. Saad Bhamla, Brandon Benson, Chew Chai, Georgios Katsikis, Aanchal Johri & Manu Prakash: «Hand-powered ultralow-cost paper centrifuge», in: «Nature», 10. Januar 2017.

So funktioniert es

In der Mitte der Papier-Zentrifuge befindet sich eine dünne Scheibe aus Papier, Karton oder Holz. Darin sind zwei Löcher, durch die eine Schnur gefädelt wird. Beide Schnur-Enden werden an zwei Griffen befestigt. Schwingt die Scheibe in der Mitte, verdreht sich die Schnur. Durch Ziehen an den beiden Griffen entwirrt sich die Schnur und bringt die Scheibe so zum Drehen.
Diese extrem schnelle Rotation nutzen die Forscher wie eine Zentrifuge, erklärten sie vor kurzem in der Fachzeitschrift «Nature». An die Scheibe in der Mitte werden zwei dünne Plastikröhren angebracht. In diese kann nun die Flüssigkeit eingefüllt werden, die untersucht werden soll. 
Das Gerät funktioniert in der Praxis: Schon 1,5 Minuten des Rotierens bei 20’000 Umdrehungen pro Minute reichten aus, um das Plasma von den Zellbestandteilen zu trennen. Auch die aus diesen Proben ermittelten Werte stimmten mit Kontrollproben aus einer herkömmlichen Laborzentrifuge überein.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Krebstherapie: St. Galler Forscher erzielt Durchbruch

Lukas Flatz hat gemeinsam mit seinem internationalen Team eine neue, bedeutende Methode entwickelt, um Krebsantigene bei Immuntherapie-Patienten zu erkennen.

image

Blutvergiftung: Experten geben nationalen Aktionsplan bekannt

Just zum Welt-Sepsis-Tag von heute Dienstag lanciert ein Schweizer Experten-Gremium einen Aktionsplan, der die Behandlung von Menschen mit Sepsis verbessern soll.

image

Synlab – offene Türen zwischen Forschung und Genetik

Synlab ist eines der führenden Labore im Bereich der genetischen Diagnostik. Die Leiterin Genetik Tessin, Dr. Giuditta Filippini, gilt als eine Pionierin in der Präimplantationsdiagnostik in der Schweiz.

image

Long-Covid: Uni Zürich präsentiert Studie mit 500 ungeimpften Rekruten

Milde Covid-Infektionen können vorübergehende Long-Covid-Symptome auslösen. Wie die neue UZH-Studie zeigt, stellen Ausdauerschwäche, erhöhte Cholesterin- oder BMI-Werte eine riskante Konstellation dar.

image

Covid: Künstliche Intelligenz soll Mutanten erfassen

ETH-Forschende haben eine neue Methode entwickelt. Diese soll Antikörpertherapien und Impfstoffe hervor bringen, die gegen zukünftige Virusvarianten wirksam sind.

image

ADHS: «Virtual Reality» soll Diagnose präzisieren

In Deutschland arbeitet ein Forschungsteam an einem neuen Ansatz für eine zielgenauere und realistischere Diagnostik von ADHS. Geldgeberin ist die EU.

Vom gleichen Autor

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.

image

Ist Mikroplastik im Blut eine Gefahr für die Gesundheit?

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will wissen, welchen Einfluss Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Hier die offizielle Antwort des Bundesrates.