«Wir brauchen die Besten – aus ganz Europa»

Südtirol baut sein Gesundheitswesen um, plant dafür Millioneninvestitionen und besetzt jetzt mehrere Spitzenpositionen. Generaldirektor Thomas Schael denkt dabei explizit auch an Gesundheits-Manager aus der Schweiz.

, 27. Juni 2016, 06:24
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Südtirol ist ja ein beliebtes Rekrutierungsgebiet für die Schweizer Gesundheitsbranche: Dass sich unter den Absolventen der Fachhochschule Claudiana gute Pflege- und Gesundheits-Fachleute finden lassen, ist nicht mehr nur ein Geheimtipp unter den Spitälern in Graubünden, sondern auch bei den grossen Kliniken der Schweizer Städte.
Thomas Schael findet aber, dass umgekehrt auch ein Weg wäre. Schael ist Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes und damit der höchste Manager des Gesundheitswesens in Südtirol. Und dort hat er jetzt drei Spitzen-Jobs zu vergeben.

COO, CMO, Director of Nursing

Im Rahmen einer radikalen – und langfristigen – Reform des Gesundheitswesens sucht Südtirol einen neuen Sanitätsdirektor, einen neuen Verwaltungsdirektor sowie einen neuen Pflegedirektor. Oder auf Geschäfts-Denglisch gesagt: CEO Schael engagiert einen Chief Medical Officer, einen Chief Operating Officer und einen Director of Nursing.
Ausdrücklich kann er sich dabei auch ausgewiesene Fachleute aus der Schweiz vorstellen – Deutsch- und Italienisch-Kenntnisse vorausgesetzt. Die trockene Erklärung von Thomas Schael: «Wir brauchen die Besten – aus ganz Europa».

7 Spitäler, 10'000 Angestellte

Denn der Umbau des Südtiroler Gesundheitswesens sei eine enorme und einmalige Herausforderung: Das Land will ein innovatives Modell der Gesundheitsversorgung schaffen, ein nachhaltiges Modell – aber auch ein Modell, das trotz allem nicht zu kostenlastig ist.
Worum geht es? Den neuen Direktoren untersteht dereinst ein landesweiter Gesundheitsbetrieb mit etwa 10'000 Angestellten, 7 Spitälern oder 2'000 Betten; sie organisieren die Betreuung und Versorgung von etwa 130'000 chronisch Kranken und 95'000 Akutfällen.

Die Pflege gehört im Organigramm nach oben

Bemerkenswert an der Ausschreibung sind zwei Aspekte. Zum einen wird hier eine Pflege-Position sehr hoch angesiedelt im Organigramm. Auf Schweizer Verhältnisse übertragen hiesse dies, dass dem Kantonsarzt noch ein gleichrangiger Kantons-Pflegemanager zur Seite gestellt würde. 
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Die Spitäler in Südtirol (Grafik: Provinz Bozen)
Für Thomas Schael ist es schlechterdings zeitgemäss, dass die Pflege in die strategische Führung eines modernen Gesundheitsbetriebs gehört: Denn hier die Versorgungssicherheit zu gewährleisten ist eine Haupt-Herausforderung der kommenden Jahre und Jahrzehnte – in Südtirol wie überall in Westeuropa. Und ohnehin zählen auch im Südtiroler Gesundheitsbetrieb fast zwei Drittel des Personals jetzt schon zum Pflegebereich.

80 Millionen Euro pro Jahr

Andererseits geht es explizit um Umbau-Arbeiten. Und es geht um eine längere Frist. «Es ist ein Jahrzehnt-Projekt», sagt Schael. Erstmals seit 2007 wird die Spitze des Südtiroler Sanitätsbetriebs komplett umbesetzt – wegen Pensionierungen oder Neuorientierung der bisherigen Direktionen. In den nächsten Jahren will das Land dann jedes Jahr 80 Millionen Euro in die Erneuerung investieren: In die Wartung der bestehenden Spitäler und Gesundheitseinrichtungen, in den Neubau des Landeskrankenhauses Bozen, in die Anschaffung von Grossgeräten und eine e-Health- Offenisve.
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Neues Spital geplant: Bozen
Es geht darum, die Spitäler untereinander anzustimmen und ihre Aufgaben neu zu verteilen; Kompetenzzentren sollen entstehen und Chefarzt-Positionen auf mehrere Kliniken verteilt werden; und ein wichtiger Teil der Investitionen fliesst auch in ein modernes Electronic-Health- System.
Zugleich aber – dies ein weiterer Aspekt der Reform – soll Südtirols Gesundheitssystem weiterhin kostengünstig bleiben. «Auch da kann man etwas lernen», sagt Schael: «Verglichen mit Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Gesundheitskosten bei uns etwa halb so hoch.»

Geplant: Eine Medical School Südtirol—Tirol

Allgemein hat Südtirol ähnliche Probleme in der Gewinnung von gutem Gesundheitspersonal wie seine Nachbar-Gegenden. Zum Beispiel kehren die Medizinstudenten aus der Gegend – etwa 130 pro Jahr – allzu selten zurück, da das Land keine adäquaten Ausbildungsstätten zu bieten hat. Und so haben die Landesräte von Südtirol und Tirol nun Pläne aufgegleist, um gemeinsam eine private Medical School zu entwickeln.
Die Reform des Gesundheitssystems, so hofft Thomas Schael, könnte auch helfen, die Attraktivität des deutschsprachigen Italien für Mediziner zu steigern: «Wenn ein Arzt das auch spannend findet, nehmen wir ihn gern».
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