Die Psychiatrischen Dienste Aargau geben Führungskrise zu

2021 schlossen die PDAG wegen Personalmangels Betten. Weiter wurden Mitarbeitende beurlaubt, die Missstände angeprangert hatten. Nun liegt ein Untersuchungsbericht vor.

, 9. Mai 2022, 08:38
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Darum geht's: In einem Brief an Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati haben meh­rere Mitarbeitende der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) über Missstände berichtet. Das war im Herbst 2021. Daraufhin wurden zwei leitende Mitarbeitende beurlaubt. Mehr noch: Sie erhielten sogar ein Hausverbot.
Bereits vor dem besagten Brief hatte der Verwaltungsrat der Aargauer Klinik eine externe Untersuchung zur Versorgungssicherheit der Akutstationen für Erwachsene in Auftrag gegeben. Der Auslöser für die Untersuchung seien laut PDAG verschiedene Gründe gewesen, darunter ein «ausserordent­liches Ereignis» und die «zunehmende Verschärfung der Versorgungssituation auf den drei Akutstationen», wie das «Badener Tagblatt» (BT) heute Montag berichtet. 
Alarm geschlagen hatte der ehemalige CEO Jean-François Andrey bereits Anfang Oktober 2021. Die Akutstationen würden «permanent am Limit laufen» und seien «eigentlich überlastet» zitiert ihn das «BT». Die Folge: Wegen Personalmangels mussten die PDAG bis zu elf der 60 Betten auf den Akutstationen schliessen.

Bericht bleibt verdeckt

Wie Verwaltungsratspräsident Kurt Aeber­hard gegenüber der Regionalzeitung sagt, werden wieder alle Betten betrieben. Und: Der Untersuchungsbericht liege zwar vor, dieser werde die PDAG allerdings nicht veröffentlichen. Es handle sich um ein internes Dokument, das dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung als Basis für Optimierungen diene, so Aeberhard. 
Froh darüber, dass die Untersuchung keine strukturellen Probleme auf den drei Akutstationen zu Tage gefördert habe, bezeichnet Aeberhard das Problem von letzten Herbst als «Führungskrise». 
Wie auf Medinside publiziert, kam es in den letzten Monaten zu diversen personellen Wechseln in Königsfelden. Gemäss «BT» sollen im Laufe des Jahres die Zentrumsleitung, die Funktion des Leitenden Arztes sowie die Stations­leitungen teilweise neu besetzt werden. 

Lösungen für die Beurlaubten

Von den Veränderungen betroffen seien auch die beiden beurlaubten Mitarbeiterinnen, die nicht mehr in ihre ursprüngliche Position zurückkehren werden. Eine Mitarbeiterin werde bis zu ihrer frühzeitigen Pensionierung in anderer Funktion bei den PDAG tätig sein, die andere habe sich dazu entschieden, die Klinik zu verlassen. 
Aeberhard sei überzeugt, dass die PDAG gestärkt aus der Führungskrise hervorgehen werde, so das «BT». Weil sein Telefon inzwischen seltener klingle, sei er davon überzeugt, dass bereits eine Verbesserung erreicht werden konnte. 

Lesen Sie weiter:

PDAG: Das ist der neue CEO in WindischJean-François Andrey verlässt die Psychiatrischen Dienste
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