Vitamin D: Standarddosis reicht vollauf

Betagte Menschen benötigen keine Extradosis Vitamin D, um das Risiko von Stürzen zu minimieren. Dies zeigt eine Studie der Universität Zürich.

, 4. Januar 2016 um 16:55
image
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt für Personen ab 60 Jahren die tägliche Einnahme von 800 IE Vitamin D oder von 24'000 IE im Monat zur Sturzprophylaxe. Eine Studie unter der Leitung der Klinik für Geriatrie am Universitätsspital Zürich und des Zentrums Alter und Mobilität (ZAM) der Universität Zürich hat diese Empfehlungen nun bestätigt. 

200 Teilnehmer über 70

Studienleiterin Heike Bischoff-Ferrari wies auch nach, dass Senioren, die bereits einmal gestürzt sind, keine Extradosis Vitamin D brauchen, um sich vor weiteren Stürzen zu schützen. 
An der Studie nahmen 200 Personen teil, die in den zwölf Monaten vor Studienbeginn mindestens einmal gestürzt und mindestens 70 Jahre alt waren sowie selbstständig zu Hause lebten. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip drei Behandlungsgruppen mit jeweils unterschiedlichen Dosierungen zugeordnet, wobei eine Dosierung der Standardtherapie (24'000 IE pro Monat) entsprach. 

Beinfunktion verbessert

Von den Teilnehmern erlitten über die 12-monatige Studiendauer 60,5 Prozent einen Sturz. Die zwei Gruppen mit den höheren Dosierungen hatten keine Verbesserung der Beinfunktion, aber den höchsten Anteil an Teilnehmern mit Stürzen verglichen zur Gruppe mit der Standarddosis. 
Tatsächlich verbesserte sich bei der Gruppe mit der Standardtherapie die Beinfunktion am besten verglichen zum Ausgangswert, und diese Gruppe hatte auch die wenigste Anzahl an Stürzen.

Mehr Stürze bei hohem Blutspiegel

Dieses Muster spiegelte sich auch im nach 12 Monaten erreichten 25-Hydroxyvitamin D-Blutspiegel wider. Die Gruppe mit dem Spiegel im unteren Normbereich wies am wenigsten Stürze auf. Dagegen zeigten sich in der Gruppe mit den Höchstwerten die meisten Stürze.
«Bei Senioren, die schon einmal gestürzt sind, bringt eine hohe monatliche Vitamin-D-Dosis oder eine Blutspiegelerhöhung auf über 44.7 Nanogramm pro Milliliter keinen Vorteil», lautet das Fazit von Heike Bischoff-Ferrari
Studie: «Monthly high dose vitamin D treatment for the prevention of functional decline: a double-blind randomized controlled trial»
Bischoff-Ferrari HA, Dawson-Hughes B, Orav EJ, Staehelin HB, Meyer O, Theiler R, Dick W, Willett WC, Egli A
Department of Geriatrics and Aging Research, University Hospital Zurich, Switzerland: Centre on Aging and Mobility, University of Zurich, Switzerland; USDA Human Nutrition Research Center on Aging, Tufts University, Boston, USA; Dept. of Biostatistics, Harvard School of Public Health; Dept. of Geriatrics, University of Basel, Basel, Switzerland; Dept. of Orthopeadic Surgery, University of Basel, Switzerland; Dept. of Nutrition, Harvard School of Public Health. JAMA Internal Medicine 4.1.2016
Medienmitteilung Universitätsspital Zürich
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Hirntumor-Risiko für Kinder: Entwarnung

Schuld könnten die kleinen Fallzahlen sein: Dass Kinder im Berner Seeland und im Zürcher Weinland mehr Hirntumore haben, ist wohl das Zufalls-Ergebnis einer Studie.

image

Zürich: Pflegenotstand entspannt sich, auch dank hoher Löhne

Die Stadt Zürich zahlt landesweit die höchsten Pflegelöhne. Das wirkt sich nun positiv auf die Personal-Situation aus.

image

Herzchirurgie: Drei Spitäler wollen stärker kooperieren

Das Universitätsspital Zürich plant mit dem Kantonsspital St. Gallen die Herzchirurgie aus- und aufzubauen. Voraussetzung dafür sind Leistungsaufträge der Kantone.

image

Unispital Zürich wechselt auf neues ERP-System

Das Spital hat die Projektleitung für das System S4/Hana für 2,7 Millionen Franken vergeben. Jüngst waren die Informatikausgaben des Unispitals in die Höhe geschossen.

image

Unispital Zürich: Das ist die neue Klinikdirektorin der Nephrologie

Britta George wechselt vom Universitätsklinikum Münster zum Universitätsspital Zürich (USZ).

image

Sofortige Erweiterung von Herzkranzgefässen nach Infarkt bietet klare Vorteile

Die Ergebnisse einer neuen Studie des Universitätsspitals Zürich könnten nicht nur die klinische Praxis beeinflussen, sondern auch volkswirtschaftliche Auswirkungen haben.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.