USZ-Frauen demonstrierten 1991 gegen Pornos am Spital-Kiosk

28 Jahre alte Bilder zeigen: Am ersten Frauenstreik 1991 waren die Frauen des Universitätsspitals Zürich (USZ) besonders aktiv beim Demonstrieren.

, 5. Juni 2019 um 14:44
image
  • spital
  • universitätsspital zürich
  • frauenstreik
14. Juni 1991: Die Rämistrasse vor dem USZ war blockiert. Hunderte von Frauen mit Ballonen und Transparenten besetzten die Strasse und die Tramhaltestelle. Viele Demonstrantinnen trugen weisse Kittel, einige rollten einen Infusionsständer vor sich her. Überall an den Balkonen und Fenstern des Unispitals hingen beschriftete Leintücher.
Die Frauen des USZ gehörten damals eindeutig zu den aktivsten Streikerinnen in Zürich. Das zeigen Bilder vom erste Frauenstreik aus der Datenbank des Schweizerischen Sozialarchivs.

Der Spital-Kiosk sollte keine frauenfeindlichen Zeitschriften mehr verkaufen

Die Frauen rüttelten nicht nur mit allgemeinen Parolen auf. Sondern sie stellten konkrete Forderungen: «Keine Pornos am USZ-Kiosk», hiess es zum Beispiel auf einem grossen Transparent an einem Spital-Balkon.
Quer über die Rämistrasse trugen die Spital-Angestellten ein Plakat mit der Aufschrift: «Wir helfen immer den anderen – ab subito helfen wir uns selbst». Bei der Tramhaltestelle machten weitere Demonstrantinnen darauf aufmerksam: «Das Gesundheitswesen macht uns krank».

Physiotherapeutinnen forderten mehr Lohn

Auch die Physiotherapeutinnen rebellierten an jenem Tag: «Lohnmässig sind wir saumässig schlecht dran – Physiotherapie USZ», manifestierten sie auf einem Plakat. Eine Gruppe «Aktion Gsundi Gsundheitspolitik» nutzte den Streiktag für eine Petition, die ein «Massnahmenpaket gegen den Personalnotstand in Spitälern und Heimen» forderte.
«Heute streiken, damit hier auch morgen gearbeitet wird», verkündeten die Spital-Mitarbeiterinnen. Und einige forderten schon fast blasphemisch, jedoch mit einem Augenzwinkern: «O gütiger Herr erlöse uns von männlicher Dominanz in Kirche, Staat und Hospital – Amen».
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

So will das Kantonsspital Graubünden Gewaltopfern helfen

Das Kantonsspital Graubünden in Chur betreibt neu die Sprechstunde «Forensic Nursing». Das Angebot ist das erste dieser Art in der Deutschschweiz.

image

Kantonsspital Winterthur lässt Gender-Leitfaden nun doch fallen

Das Kantonsspital Winterthur zieht die gendergerechte Sprachempfehlung zurück. Der Druck ist wohl zu gross geworden.

image

Christian Britschgi wechselt als Chefarzt nach Winterthur

Christian Britschgi leitet künftig die medizinische Onkologie und Hämatologie im Kantonsspital Winterthur.

image

Vier der fünf Unispitäler setzen sich jetzt Klimaziele

Die Universitätsspitäler haben beschlossen, sich der Energie und Klima-Initiative des Bundes anzuschliessen. Aber nicht alle machen mit.

image

Zwei der grössten Psychiatrie-Kliniken wollen fusionieren

In Bern bahnt sich eine Elefantenhochzeit an: Die zwei eh schon grössten Kliniken wollen sich zu einer vereinigen.

image

Mobbing-Streit in Solothurn droht zu eskalieren

Seit Monaten schwelt bei den Solothurner Spitälern ein Konflikt. Nun erhebt auch der Berufsverband schwere Vorwürfe und droht sogar mit Klage.

Vom gleichen Autor

image

Die Hausärzte im Kanton Bern rebellieren

Eine Gruppe von Ärztinnen und Ärzten aus dem Emmental und Oberaargau lehnt sich gegen den Ärztemangel auf.

image

Ein wegweisendes Urteil für Krankenversicherer: Bahn haftet

Eine Krankenkasse kann von einem Bahnunternehmen die Heilungskosten zurückverlangen, wenn ein Fahrgast unverschuldet gestürzt ist.

image

Der Fehltritt einer KPT-Firma: Vermittler hinterging Neukunden

Die neue Vermittlungsfirma der KPT-Krankenkasse nutzte unlautere Methoden, um neue Versicherte zu gewinnen.