Umfrage: Bevölkerung will Arbeitszeit-Kontrollen in Spitälern

Die Assistenz- und Oberärzte machen politisch Druck: Sie fordern endlich Entlastung – und berufen sich dabei auf die Unterstützung im Volk.

, 2. Mai 2015, 15:37
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Drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer fürchten sich vor übermüdeten Spitalärzten: Dies besagt eine repräsentative Umfrage, welche im Auftrag des Verbandes der Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte VSAO durchgeführt wurde.
Konkret: Wenn Assistenz- und Oberärzte mehr als zwölf Stunden am Tag arbeiten, dann sinkt bei 3 von 4 Personen das Vertrauen in die Qualität der bevorstehenden Behandlung. 
Die Umfrage wurde Jahresbeginn vom Institut Link durchgeführt. Laut den Daten…

  • liegt der Durchschnittswert der Arbeitszeit, welche die Bevölkerung als «richtig» für Spitalärzte erachtet, bei 44,3 Stunden pro Woche;
  • finden 68 Prozent der Befragten, dass nach spätestens fünf Tagen am Stück ein Tag Pause sinnvoll wäre;
  • sehen 77 Prozent der Menschen ihr Vertrauen in die Qualität der Behandlung gefährdet durch einen Arzt, der bereits seit 12 Stunden gearbeitet hat;
  • verlangen knapp 70 Prozent der Befragten Kontrollen der Spitäler durch kantonale Arbeitsinspektorate.

Bekanntlich liegt die Arbeitzeit von Assistenzärzten an Schweizer Spitälern bei durchschnittlich 56,5 Stunden pro Woche – und damit auch über den Werten, die das Arbeitsgesetz vorsieht. 

Weniger Bürokratie für Assistenz- und Oberärzte

Für den VSAO sind die hier erfassten Befürchtungen durchaus begründet: Wie eine frühere Erhebung des Verbandes ergab, haben 38 Prozent der Assistenz- und Oberärzte schon persönlich erlebt, dass die Gesundheit eines Patienten wegen Übermüdung der Ärzteschaft gefährdet wurde. 
Mit den Umfrageergebnissen untermauert der VSAO seine mehrfach erhobene Forderung, dass das Arbeitsgesetz auch in den Spitälern einzuhalten sei. Konkret sollen Assistenz- und Oberärzte stärker von administrativen Aufgaben entbunden werden. 

Ruf nach Sanktionen gegen Spitäler

Der Verband begründet dies mit einem weiteren Argument: Weniger Überlastung bedeutet am Ende mehr Ärzte. «In Zeiten des Ärztemangels muss ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass insbesondere zu jungen Ärztinnen und Ärzten Sorge getragen und die Quote der Berufsaussteigerinnen reduziert wird», so die Mittelung. «Dazu sind insgesamt zeitgemässe Arbeitsbedingungen für die Ärzte zwingend notwendig.»
Dies gelte insbesondere auch für die Umsetzung familienfreundlicher Massnahmen in den Spitälern.
Zur Untermauerung hat der VSAO eine Forderung aufgeschaltet, der sich jeder per Mail anschliessen kann: Das Schreiben richtet sich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und verlangt, «Massnahmen und Sanktionen zu beschliessen, damit das Arbeitsgesetz in Spitälern endlich eingehalten wird».
Bild: «Time» von Alan Cleaver, Flickr CC«Spital. Illegal»: Zur Mitteilung und gesamten Medienmappe des VSAO
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