Umfrage: 74 Prozent der Leser sagen «nein» zur Kinderimpfung

Im Dezember hat Medinside eine Umfrage zum Thema Covid-Impfung bei Kindern lanciert. Die Resonanz der Leserinnen und Leser war gross und die Gründe gegen die Impfung einheitlich.

, 6. Januar 2022, 06:31
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Mit dem Knallen der Korkenzapfen an Silvester ist der Startschuss für die Covid-Impfung bei Kindern gefallen. Am 14. Dezember hatten das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Impfkommission (EKIF) eine deutliche Impfempfehlung bei Kindern
  • die wegen einer chronischen Erkrankung bereits gesundheitlich stark belastet sind, oder
  • in engem Kontakt zu besonders gefährdeten Erwachsenen stehen, 
ausgesprochen. Für die anderen Kinder sollten die Eltern nach einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung selber entscheiden. Diese Empfehlung wurde inzwischen geändert (siehe weiter unten).

Umfrage: Knapp 700 Teilnahmen

Auf die Medinside-Umfrage zur Kinderimpfung bei sieben Spezialisten antworteten lediglich zwei Ärzte. Grösser war die Resonanz bei der Leserschaft: 666 Personen nahmen bis Montag, 3. Januar, an der online Befragung teil. Davon 
  • arbeiten 56 Prozent in der Gesundheitsbranche,
  • 45 Prozent sind geimpft,
  • 53 Prozent haben Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren,
  • 74 Prozent lassen, oder würden, ihre Kinder nicht impfen lassen. 

Begründungen gegen Impfung einheitlich

377 Leserinnen und Leser nutzten die Chance, ihre Gründe gegen eine Impfung bei Kindern auszusprechen. 
Zu den häufigsten Antworten gehören:

  • Risiko-Nutzen-Abwägung ist nicht positiv. Es gibt keine Indikation, gesunde Kinder ohne Risikokontakte zu impfen,
  • es gibt keine Langzeitstudien,
  • die Gefahr von Nebenwirkungen ist zu gross,
  • die Covid-Impfung bei gesunden Kindern ist unnötig, weil die Covid-Verläufe mild und sie nicht von schweren Verläufen betroffen sind,
  • keine mRNA- oder Vektorimpfstoffe bei Kindern, sie nützen nicht viel und halten nicht lange,
  • warten auf Lebendimpfstoff,
  • die Antikörperproduktion bei Kindern ist viel grösser als bei Erwachsenen,
  • Angst, dass das natürliche Immunsystem durch die Impfung geschwächt wird,
  • Misstrauen gegenüber den Behörden und der Pharmaindustrie.

Unter den Teilnehmenden befanden sich zahlreiche Eltern, deren Kinder bereits genesen sind. Sie berichten über milde Verläufe, einige symptomlos. Interessant: «Ich hätte hier gerne Jein angekreuzt. Ich würde vermutlich zuerst eine Serologie abnehmen, da die Dunkelziffer der Durchseuchung bei den Kindern vermutlich viel höher ist als angenommenen», gibt eine Person zu denken. 

BAG und EKIF passen Impfempfehlung an

Zugang zur Impfung erhalten impfwillige Eltern von Kindern ab fünf Jahren aktuell in den Kantonen Zürich, Aargau, Zug und Wallis. Weitere Kantone werden noch im Januar folgen. 
Neu empfehlen das BAG und die EKIF die Impfung auch gesunden Kindern, «um sich vor sehr seltenen schweren Erkrankungen zu schützen aber auch für den indirekten Schutz, weil diese Kinder unter der Pandemie leiden», sagte der EKIF-Chef Christoph Berger gegenüber der SRF-Tagesschau. Hinzu komme die Ausbreitung der sehr ansteckenden Omikron-Variante. Grund für die neue Empfehlung seien die «wesentlich höheren Sicherheitsdaten aus den USA». 

 «Wenn wir die Kinder impfen, dann weil sie selber davon profitieren und nicht für die Erwachsenen.»

Philippe Jenni, Präsident Fachgesellschaft Pädiatrie Schweiz
Philipp Jenni, Präsident Fachgesellschaft Pädiatrie Schweiz, ergänzte, dass Kinder einen kleinen Teil der Gesamtbevölkerung ausmachen würden und die Impfung derer bei der Pandemiebekämpfung nicht weiterhelfe. «Wenn wir die Kinder impfen, dann weil sie selber davon profitieren und nicht für die Erwachsenen.»
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Die Ergebnisse der Medinside-Umfrage zur Impfung bei Kindern.
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