Privatklinik Linde: Hirslanden könnte sich in Biel durchsetzen

Die Belegärzte der Privatklinik Linde stellen sich offenbar klar hinter das Angebot der Hirslanden-Gruppe – und der Verwaltungsrat stellt sich auf «neutral».

, 21. Juni 2017 um 11:55
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Eine deutliche Mehrheit der Belegärzte spricht sich dafür aus, ihre Aktien der Bieler Privatklinik Linde an die Hirslanden-Gruppe zu verkaufen. Dies meldet das «Bieler Tagblatt» (Paywall) unter Berufung auf zwei Beteiligte.
Gut drei Viertel der Belegärzte hätten sich bei einem Treffen am Montagabend für Hirslanden ausgesprochen; auch gemessen in Aktienstimmen dürfte das Verhältnis in etwa gleich sein. Die Klinik ist mehrheitlich im Besitz der Belegärzte.

Das Geld entscheidet nicht

Am gestrigen Dienstag – also erst nach jenem Treffen – hatten sich Hirslanden-CEO Ole Wiesinger und COO Daniel Liedtke nochmals direkt an die Aktionäre gewandt und ihr Übernahmeangebot auf 3'100 Franken pro Aktie erhöht. Aevis Victoria, die andere Interessentin für die Bieler Klinik, rundete im Verlauf des gestrigen Nachmittags ebenfalls nochmals auf – und bietet nun auch 3'100 Franken in bar.
Damit wird einerseits klar, dass der Wert der Linde auf gut 108 Millionen Franken veranschlagt wird: Das wäre das 80fache des letztjährigen Jahresgewinns, oder anders: Es ergäbe sich eine Rendite knapp über 1 Prozent. 
Klar wird zudem, dass nicht der Preis ausschlaggebend sein wird dafür, wen die Aktionäre und Belegärzte der Linde Holding zur neuen Besitzerin küren: Es sind die strategischen und medizinischen sowie die persönlichen beruflichen Aussichten.

  • Die Klinik Linde steht auf der Berner Spitalliste und konzentriert sich auf Chirurgie, Sportmedizin, Orthopädie, Onkologie, Radiologie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie beschäftigt rund 400 Personen.
  • Hirslanden führt 16 Kliniken in 11 Kantonen, beschäftigt rund 9'000 Mitarbeitende und hat 2'000 Belegärzte. Rund 100'000 Patienten werden stationär behandelt.
  • Swiss Medical Network hat ebenfalls 16 Kliniken, beschäftigt 2’950 Angestellte und 1’790 Ärzte.

Bemerkenswert ist dabei, dass sich der Verwaltungsrat der Linde noch am Wochenende erneut für Swiss Medical Network beziehungsweise Aevis Victoria ausgesprochen hatte. Im «Bieler Tagblatt» wandte sich Verwaltungsratspräsident Kurt Aeberhard jetzt aber gegen die Einschätzung, dass ein Graben zwischen Belegärzten und Verwaltungsrat klaffe: Den Graben gebe es nicht – der Verwaltungsrat werde das Signal aus der Ärzteschaft nicht negieren. Er habe seine Haltung auf «neutral» gestellt.

«Eine neue Dimension»

So oder so: «Beide Modelle werden die Linde in eine neue Dimension bringen», sagte Präsident Aeberhard zur Qual der Wahl. «Sie wird in zwei Jahren noch einmal stärker dastehen als heute.»
Für Hirslanden würde die Privatklinik Linde eine geographische Lücke zwischen Bern und dem Mittelland schliessen. Auch sichtet die grösste Privatklinik-Gruppe der Schweiz verschiedene Synergien durch Behandlungsangebote, die einander ergänzen.
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In einem Schreiben an die Linde-Aktionäre schilderte die Zürcher Konzernleitung, wie bisherige Hirslanden-Patienten aus dem Seeland bald schon wohnortnah in der Privatklinik Linde behandelt werden könnten, während umgekehrt komplexe Fälle der Linde in den Hirslanden-Kliniken in Bern und Aarau versorgt würden.

Kardiologie in Biel? Oder ein Brustzentrum?

Konkrete Projekte müsse man dann noch gemeinsam definieren. Aber anbieten könnte sich etwa der Aufbau einer Kardiologie in Zusammenarbeit mit der Klinik Beau-Site. Umgekehrt könnte es bei der Radiotherapie laufen: «Da Hirslanden in Bern keine eigene Radiotherapie betreibt und in Zukunft auch nicht plant, kann mit einer bedeutenden Anzahl Zuweisungen aus der Hirslanden Versorgungsregion Bern in die Radiotherapie der Privatklinik Linde gerechnet werden.» 
Hirslanden sei überzeugt, für weiteres Wachstum sorgen zu können, «sonst würden wir auch nicht einen solchen Preis anbieten», sagte Ole Wiesinger nun im Bieler Tägu.
Dem Angebot von Aevis Victoria, nach der Übernahme nochmals 25 Millionen Franken in die Klinik Linde zu investierte, stellte er dabei eine eigene Rechnung gegenüber: «Üblicherweise investieren wir gruppenweit zehn Prozent des Umsatzes in unsere Einrichtungen. In Biel wären das also zehn Millionen Franken pro Jahr, auf fünf Jahre gerechnet wären es also 50 Millionen.» 
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