Studie: Hohe Preise für Krebsmedikamente sind nicht gerechtfertigt

Laut einer US-Erhebung sind die Investitionen viel tiefer als die Pharmaindustrie glauben macht.

, 12. September 2017, 14:23
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Gegen 3 Milliarden Dollar: So viel kostet die Erforschung und Entwicklung eines Krebsmedikaments gemäss den Zahlen des Tufts Center for the Study of Drug Development. Dies deckt sich etwa mit den Angaben der Pharmaindustrie, die sich aber hütet, genaue Zahlen zu nennen. Sie nimmt die angeblich hohen Investitionen gerne als Rechtfertigung für die hohen Preise, wenn ein Präparat die Zulassung erhalten hat.  
Vinay Prasad von der Oregon Health & Science University und Sham Mailankody vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York wollten es genau wissen. In einer im Fachjournal «JAMA Internal Medicine» veröffentlichten Analyse kommen sie zum Schluss, dass die Kosten für die Forschung und Entwicklung eines einzigen Krebsmedikaments viel tiefer liegen als allgemein angenommen.

«Extrem lukrativ»

Danach betragen die Aufwendungen bis zur Zulassung im Median 648 Millionen Dollar (die Hälfte kostet mehr, die andere weniger). Die Spanne liegt zwischen 157 Millionen und 1,95 Milliarden Dollar. Die Erträge nach der Zulassung erreichten im Median 1,68 Milliarden Dollar, dies bei einer Spanne von 204 Millionen bis 22,3 Milliarden Dollar. 
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Entwicklung von neuen Arzneien für die Pharmaindustrie «extrem lukrativ» ist, wie die Autoren anmerken, und dass das Preisniveau in keinem Verhältnis steht zu den effektiven F&E-Kosten.
Vinay Prasad, Sham Mailankody: «Research and Development Spending to Bring a Single Cancer Drug to Market and Revenues After Approval» - in: «JAMA Internal Medicine», 11. September 2017
Die Analyse umfasst 10 Krebsmedikamente, welche in den letzten 10 Jahren in den USA zugelassen worden sind. Die Umsätze mit den Präparaten beliefen sich auf 67 Milliarden Dollar, etwa zehnmal so viel die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Neun der zehn Präparate werfen Geld ab. 
«Das gegenwärtige Preissystem basiert nicht auf Marktkräften. Vielmehr führt das Lobbying der Pharmaindustrie dazu, dass sie verlangen kann, was sie will, zumindest bei Krebsmedikamenten», wird Vinay Prasad zitiert. 

Mehr Transparenz gefordert

In US-Medien haben sich bereits Pharmavertreter zu Wort gemeldet. Sie kritisieren, dass in der Betrachtung die vielen Substanzen, die es nie zur Marktreife gebracht haben, nicht berücksichtigt werden. Die Autoren erhoffen sich im Gegenzug von der Pharmaindustrie mehr Transparenz. 
So oder so heizt die Studie die Debatte um hohe Medikamentenpreise weiter an, zumal die neuen Immuntherapien weiter an der Preisspirale drehen. Erst letzte Woche erhielt Novartis in den USA die Zulassung für die erste Immuntherapie gegen Leukämie. Sie kostet 475'000 Dollar pro Behandlung. 
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