Abnehmspritzen für Minderjährige: Erlaubt, aber wenig verordnet

Seit vier Monaten ist Wegovy auch für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Die Bedingungen sind aber streng. Zu streng, wie eine Kinderärztin kritisiert.

, 3. September 2025 um 07:04
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Symbolbild, erstellt mit KI
Seit Mai müssen die Krankenkasse bereits 12-Jährigen eine Therapie mit der Abnehmspritze Wegovy bezahlen – vorerst befristet für drei Jahre.
Die Bedingungen sind strenger als bei Erwachsenen: Beim Therapiestart müssen die Kinder über 60 Kilo wiegen und einen Body-Mass-Index (BMI) haben, der bei Erwachsenen einem BMI von über 35 entspricht. Bei erwachsenen Wegovy-Bezügern genügt hingegen auch ein geringerer BMI, wenn sie bereits Begleiterkrankungen haben.
Dunja Wiegand, leitende Ärztin beim Kinderspital Ostschweiz, kritisierte auf Radio SRF die strengeren Anforderungen für Kinder. Bei einem BMI von über 35 sei es zu spät, findet sie.
Gerade bei Jugendlichen brauche es manchmal einen Motivationsschub in Form von medikamentöser Hilfe, um nachhaltig abzunehmen. Das könne den unbändigen Hunger und das unkontrollierte Essen etwas einschränken. Sie glaubt auch nicht, dass alle Kinder gleich wieder zunehmen, sobald sie das Medikament absetzen.

Die häufigsten Bezüger: Tessiner

Trotz der erweiterten Zulassung von Wegovy erleben weder Fachärzte und -ärztinnen noch die Krankenkassen eine starke Zunahme der Verschreibungen bei Kindern. Die Krankenkasse Helsana erklärte, dass in den letzten drei Monaten weniger als ein Prozent der Wegovy-Bezüge für Minderjährigen bestimmt gewesen seien.
Anders ist es bei Erwachsenen: Bei ihnen nimmt die Behandlung mit Medikamenten zur Gewichtsreduktion zu – interessanterweise jedoch nicht überall gleich stark. Im Tessin werden sie viermal eifriger genutzt als im Appenzell, wie die Abnehmkarte auf Medinside zeigt.
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