Stadtrat will Spital Affoltern schliessen

Der Stadtrat von Affoltern am Albis sieht keine Perspektiven mehr für sein Spital und will es schliessen. Doch die Betroffenen sind zuversichtlich, dass sich die Bevölkerung im Mai gegen die Stillegung entscheidet.

, 12. Februar 2019 um 17:58
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Für den 6. April hat das Spital Affoltern einen Tag der Offenen Tür angekündet. Doch heute hat der Stadtrat beschlossen, dass er die Türen des Spitals für immer schliessen will.
Das Spital Affoltern ist sanierungsbedürftig, sowohl baulich wie finanziell. Es gehört bei den Behandlungskosten zu den teuersten im Kanton, es hat Überkapazitäten, eine veraltete Infrastruktur, ein kleines Einzugsgebiet, und es ist defizitär.

Würde zu viel Geld verschlingen

Der Stadtrat von Affoltern sieht deshalb keine Perspektive mehr für den Weiterbetrieb des Spitals, wie die «NZZ» meldete. Ein Weiterbetrieb des Akutspitals Affoltern würde so viel Geld verschlingen, dass in anderen Bereichen wie der Bildung gespart oder der Steuerfuss erhöht werden müsste.
Am 19. Mai entscheiden die 14 Trägergemeinden in einer Volksabstimmung über die Zukunft des Spitals. Folgen die Stimmberechtigten dem Stadtrat, ist es vorbei mit dem Spital. Auch die geplante Investition von 100 Millionen Franken in einen Neubau wäre hinfällig.

700 Angestellte betroffen

Im Spital sind die Betroffenen konsterniert vom Entscheid. Das Spital mit seinen 700 Mitarbeitern ist der grösste Arbeitgeber der Stadt. Verschwinden würden unter anderem die Akutgeriatrie und die Palliativmedizin. Die Bevölkerung müsste künftig ins 20 Autominuten entfernte Zürcher Stadtspital Triemli ausweichen.
Stefan Gyseler, der Präsident der Betriebskommission, glaubt jedoch unverzagt weiter an die Zukunft des Spitals Affoltern. «Am Abstimmungssonntag wird herauskommen, ob ich oder der Stadtrat die Bevölkerungsmeinung völlig falsch einschätzt», sagte er in einem Interview gegenüber der «NZZ». Er könne sich nicht vorstellen, dass die Bevölkerung das Spital nicht mehr wolle.

Würde Affoltern zur Schlafgemeinde?

Die Schliessung würde Affoltern stark treffen: «Wir haben keine eigene Mittelschule und immer weniger Hausarztpraxen. Wenn jetzt auch noch das Spital schliesst, entwickeln sich hier Schlafgemeinden. Jobs, Ausbildungsplätze und Ärzte gäbe es nur noch in Zug oder Zürich. Dann fehlte dem Bezirk die Identität», sagte er.
Vor gut zwanzig Jahren wurden im Kanton Zürich zum letzten Mal Spitäler geschlossen. Damals waren acht kleine Akutspitäler betroffen. Auch damals sei die Entrüstung darüber gross gewesen, kommentiert die «NZZ». Doch heute trauere den Spitälern niemand mehr nach. Vielmehr habe der mutige Entscheid dazu beigetragen, dass die Behandlungskosten in den Zürcher Spitälern heute zehn Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt lägen.
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