Spitalstandort-Initiative: Ärzte beschliessen Stimmfreigabe

Die Delegierten der Ärztegesellschaft des Kantons Bern verzichten auf eine Empfehlung für die kantonale Abstimmung über die Spitalstandort-Initiative.

, 16. September 2016, 07:16
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Was wollen die Ärzte: Eher eine kleinräumige Grundversorgung bewahren? Oder eher die Effizienz, die sich aus Zentralisierungen ergibt? Diese Frage stellte sich nun angesichts der Spitalstandort-Initiative im Kanton Bern: Denn diese will 14 Spitäler in der Kantonsverfassung festschreiben und damit auf alle Zeit sichern.
Antwort: Die Ärzte sind auch unentschieden. Die Delegierten der Ärztegesellschaft des Kantons Bern (Bekag) folgten mit ihrem Entscheid nun dem Kantonalvorstand, welcher für Stimmfreigabe bei der Spitalstandort-Initiative plädiert hatte. 
Präsident Beat Gafner wertet den Entscheid als «Ausdruck eines tiefen Unbehagens» der Ärzteschaft gegenüber der kantonalen Spital- und Gesundheitspolitik, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Dem Entscheid ging eine intensive und kontroverse Debatte voraus.

Hans-Peter Kohler: «Qualität leidet»

Dagegen sprach FDP-Grossrat und Chefarzt Hans-Peter Kohler. Er meinte, auf lange Sicht leide die medizinische Qualität in zementierten Versorgungsstrukturen. Gesetzlich geforderte Stellen könnten ihm zufolge aufgrund des zunehmenden Personalmangels künftig nicht mehr besetzt werden. 
«Wir sollten Geld ausgeben für etwas, das für die Bevölkerung medizinisch notwendig ist, nicht für Regionalpolitik», so der Chefarzt und Klinikleiter am Berner Stadtspital Tiefenau (Inselgruppe).

Rudolf Joder: «Kosten einsparen mit Annahme» 

Auf der Gegenseite stand Rudolf Joder, alt Nationalrat der SVP und Mitinitiant der Spitalstandort-Initiative. Er warnte vor den Folgen der verfehlten Spitalpolitik des Kantons. 
Nur ein mehrjähriger Marschhalt, der alle Regionalspitäler verpflichtet, bestehende dezentrale Standorte weiter zu betreiben, bringe Planungssicherheit. Joder ist überzeugt, dass mit der Initiative Kosten eingespart werden könnten.
Bei der Spitalstandort-Initiative geht es um die Frage, ob bestehende Spitalstandorte festgeschrieben und mindestens acht Jahre erhalten werden sollen. Die Initianten kritisieren die Zentralisierung der Spitäler. Lanciert wurde die Initiative nach dem Aus der Geburtsabteilung in Riggisberg. Diese soll gemäss Initiativtext wieder geöffnet werden. Abgestimmt wird am 27. November 2016.
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