So lange bleiben Pflegefachkräfte in ihrem Beruf

Eine Berner Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis - und gibt Empfehlungen für die Zukunft.

, 5. Dezember 2018, 21:18
image
  • pflege
  • spital
  • studie
  • fachkräftemangel
Pflegefachkräfte sind Mangelware. Dies auch, weil sie nach der Ausbildung häufig nicht besonders lang in ihrem Beruf arbeiten. Doch genaue Zahlen dazu fehlen vielerorts. Der Kanton Bern wollte es genau wissen. Er gab bei der Universität Bern eine Studie in Auftrag, in deren Rahmen 1205 Personen befragt wurden. Diese liegt Medinside vor. Das Ergebnis überrascht positiv. Die durchschnittliche Berufsverweildauer beträgt 22 Jahren. Gemäss der Studienautorin Margret Nadenbousch liegt dieser Wert «deutlich höher» als bisher angenommen. Bisher ging man diesbezüglich von einem Wert von nur 15 Jahren aus.
Die grosse Mehrheit steigt zumindest zwischenzeitlich aus
Der Hauptfokus der vom Berner Bildungszentrum für Pflege unterstützten Studie lag auf Pflegefachpersonen, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder bereits pensioniert sind. Mit dieser Personengruppe, die ihr Berufsleben fast oder ganz hinter sich hat, lässt sich die Verweildauer am besten bestimmen. Jüngere Studienteilnehmende wurden in die Kontrollgruppe eingeteilt.
Bei der Untersuchung zeigte sich, dass nur knapp jede vierte Person das ganze Berufsleben hindurch im Pflegefach arbeitete (23 Prozent). Derweil sind 37 Prozent der Befragten gänzlich aus dem Pflegeberuf ausgestiegen - wobei ein kleiner Prozentsatz davon aufgrund des Studiendesigns auf bereits erfolgte Pensionierung zurückzuführen ist. Noch etwas höher ist der Anteil der Personen (38 Prozent), die nach einer Pause wieder in den Pflegeberuf eingestiegen sind. 87 Prozent von ihnen gaben die «Familienphase» als Grund für den zwischenzeitlichen Unterbruch an.
Bei jenen Personen, die definitiv aus dem Beruf ausgestiegen sind, gaben zwei Drittel der Personen die «Familienphase» als Begründung an. In der - älteren - Fokusgruppe sagten derweil 70 Prozent, ihre Erwartungen bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei erfüllt worden. Es zeigte sich aber, dass die aus tendenziell jüngeren Personen bestehende Kontrollgruppe die Vereinbarkeit von Pflegeberuf und Familie häufiger als nicht erfüllt betrachten. Auch in den anderen Bereichen äusserten sich die jüngeren Studienteilnehmenden kritischer.
image
Grafik aus Zusammenfassung der Erhebung der Berufsverweildauer von dipl. Pflegefachpersonen im Kanton Bern und Analyse der relevanten Einflussfaktoren.
Massnahmen für höhere Verweildauer
Bei der aus älteren Personen bestehenden Fokusgruppe waren zwei Drittel mit dem Gehalt zufrieden -und mit den Arbeitszeiten 75 Prozent. Gleichwohl mahnt die Studienautorin an, flexiblere Arbeitsmodelle einzuführen. Ebenso wird angeregt, bei der Kinderbetreuung am Arbeitsplatz Verbesserungen vorzunehmen. Ebenso sollte in Kurse und Angebote für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger investiert wer zu erhöhen. 
Letzteres sieht auch der Bundesrat so: Er hat 2016 ein Wiedereinstiegsprogramm lanciert. Denn auch wenn die Berufsverweildauer der Pflegefachkräfte überraschenderweise höher ist als bisher gedacht - sie ist noch immer vergleichsweise tief.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Poliklinik-Leiter der Insel kommt ins Emmental

Das Spital Emmental hat einen Spezialisten vom Berner Inselspital für seine neue Rheumatolgie-Abteilung gefunden.

image

Regionalspital nimmt in der Gastroenterologie weltweit Pionierrolle ein

Das GZO Spital Wetzikon ist auf dem Weg zu einem Referenz- und Ausbildungszentrum. Das Ziel ist es, Gastroenterologen für den Eingriff und die Handhabung mit neuen Einweg-Endoskopen auszubilden.

image

Personalsuche Italien: «Wie sind die Reaktionen aus der Branche, Herr Blasi?»

Das Kantonsspital Aarau will Pflegefachpersonen in Rom rekrutieren. Fabio Blasi, Leiter Personalgewinnung, spricht über den Fachkräftemangel und das Projekt.

image

Bethesda Spital: Wechsel in der Spitalleitung

Das Bethesda Spital holt Henrik Pfahler vom Basler Unispital und Ueli Zehnder vom Inselspital nach Basel.

image

Stefan Fischli zum Chefarzt befördert

Stefan Fischli wird Chefarzt Endokrinologie/Diabetologie und klinische Ernährung am Luzerner Kantonsspital.

image

Diese Medizinstudentin will in den Regierungsrat

Zoé Stehlin tritt für die Juso als Luzerner Regierungsratskandidatin an.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.