Schweizer Spitäler weiterhin zu wenig profitabel

Die Beratungsfirma PwC hat die Ertragskraft der Schweizer Spitäler untersucht: 2016 sind die Kosten erneut stärker gewachsen als die Umsätze. Kleinere Spitäler sind leicht profitabler als grosse.

, 12. Dezember 2017, 13:30
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10 Prozent - so lautet die Zielgrösse bei der EBIDTA-Marge, welche die Beratungsfirma PwC seit Jahren den öffentlichen Spitälern vorgibt. Doch davon sind diese weiter weg denn je. Die Einrichtungen haben sich 2016 von der magischen Marke entfernt. 
Während sich das Umsatzwachstum mit einem Plus von 4 Prozent fortsetzte, ging die Profitabilität der Schweizer Spitäler gemessen am EBITDA von 6,3 auf 5,5 Prozent zurück.  
Dies zeigt die Studie «Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2016», den die PwC-Berater Patrick Schwendener und Philip Sommer veröffentlicht haben. Gegenüber früheren Berichten wurde die Stichprobe von 28 auf 45 Akutspitäler ausgeweitet, was die Aussagekraft erhöht.
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Profitabilität von Schweizer Spitälern, 2012 bis 2016 (Quelle: PwC)
Während die Einrichtungen mit mehr als 250 Betten eine EBITDA-Marge von 5,0 Prozent aufweisen, kommen die kleineren Spitäler auf 6,8 Prozent. Diese höhere Profitabilität wird vor allem auf die stärkere Spezialisierung und Fokussierung zurückgeführt.  
Insgesamt ist die Streubreite hoch; sie reicht von -2 bis 14 Prozent. 8 von 45 Spitälern erreichten eine EBITDA-Marge von über 10 Prozent, das sind 3 mehr als im vergangenen Jahr. 
Einmal profitabel, immer profitabel, könnte man fast sagen, denn von den 8 Spitälern übertrafen 5 bereits im Vorjahr die 10-Prozent-Marke. «Diese Fortsetzung zeigt sich leider auch bei den tiefen und negativen EBITDA-Margen», so die Studie. 

Weitere zentrale Ergebnisse der Studie:

«Ambulant vor stationär» setzt sich weiter durch, wie die Wachstumsraten 2016 zeigen. Die ambulanten Umsätze nahmen um 8,8 Prozent zu, die stationären um 3,1 Prozent. Der Trend wird sich fortsetzen. Viele Spitäler reagieren darauf mit neuen Betriebsmodellen.  
Der Personalaufwand ist der grösste Kostenblock in den Spitälern; er liegt stabil bei knapp 70 Prozent des Gesamtaufwands. «Der Personalaufwand stellt somit den grössten Hebel für Profitabilitätsverbesserungen dar», schreiben die Studienautoren. 
Die regionalen Unterschiede bei den EBITDA-Margen sind beträchtlich: In Zürich sind sie mit 8,9 Prozent am höchsten, in der Genferseeregion und im Tessin mit 2,9 Prozent am tiefsten. Zentralschweizer Spitäler kommen auf 6,4 Prozent, Ostschweizer und Nordwestschweizer auf 5,6 Prozent und Spitäler im Espace Mittelland auf 5,3 Prozent. 
Die Klinikgrösse hat keinen wesentlichen Einfluss auf Umsatz- und Kostenwachstum. Über alles gesehen weisen kleinere Einrichtungen tiefere Wachstumsraten auf. 
Die Versorgungslandschaft wird sich in Richtung eines «Hub-and-Spoke»-Modells entwickeln mit Zentrums- und Satellitenspitälern, die aufeinander abgestimmte und versorgungsstufengerechte Angebote offerieren. Künftige Behandlungspfade werden durchgehend digital unterstützt, transparent und mit einer aktiven Mitwirkung des Patienten sein.
Das Gesundheitswesen der Zukunft ist stärker patientenorientiert, teambasiert und sektorenübergreifend organisiert. Neue Berufsbilder wie Ärzteassistenten, Advanced Nurse Practitioners und weitere werden die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen in den Spitälern umformen. Wichtig ist es, die Mitarbeitenden mit neuen Profilen richtig einzusetzen. «Spitäler müssen vielfältige Laufbahnmodelle und kontinuierliche Weiterbildung zulassen.»
Die hohen Investitionen machen es nötig, ein gesamtheitliches Finanzierungskonzept zu entwickeln. «Es braucht eine solide Zukunftsplanung in allen Bereichen, an deren Ende ein verlässlicher finanzieller Businessplan resultieren muss. Zunehmend relevanter werden auch Fragen zur künftigen Refinanzierung», erklärt Patrick Schwendener, Head Deals Healthcare von PwC Schweiz. 
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