Sant'Anna: Jetzt wird breit untersucht

Im Fall einer Tessinerin, der nach einer Verwechslung beide Brüste amputiert wurden, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen alle Beteiligten – wie auch gegen die Klinikleitung.

, 15. Juli 2015, 08:41
image
  • clinica sant'anna
  • kunstfehler
  • tessin
  • spital
Ein Chirurg verwechselt zwei Patientinnen – und dabei verliert eine der Frauen ihre Brüste: In diesem aufsehenerregenden Fall hat die Tessiner Staatsanwaltschaft nun angekündigt, eine breite Untersuchung zu führen. 
Nicht bloss der Arzt, sondern alle am Eingriff beteiligten Personen und die Klinikleitung würden befragt und untersucht, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Lugano gegenüber dem «Corriere del Ticino». Insgesamt zwei Strafanzeigen seien bislang in diesem Fall eingereicht worden.
Am Freitag wurde bekannt, dass einer 67jährigen Frau in der Privatklinik Sant'Anna in Soregno fälschlicherweise beide Brüste amputiert worden waren. Der Patientin sollte ein kleiner Tumor entfernt werden, doch der behandelnde Belegarzt nahm eine mastectomia totale bilaterale vor. Seine Erklärung: Der Tumor hatte sich stärker ausgebreitet als angenommen. Doch in Tat und Wahrheit hatte er die Frau aus dem Sottoceneri mit einer anderen Patientin verwechselt.

«...ob sie etwas verschwieg»

Zwei mögliche Delikte stünden im Vordergrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen: schwere Körperverletzung und Dokumentenfälschung, erfuhr der «Corriere del Ticino». Der zweite Verdacht entstand, weil der Chirurg offenbar auch im Operations-Rapport niederschrieb, dass die doppelte Brustamputation medizinisch indiziert gewesen sei. Erst im November wurde die Patientin dann wahrheitsgemäss über den Fehler informiert.
Auf dem Informations-Verhalten scheint denn ein Fokus der ermittelnden Staatsanwälte zu liegen. Man werde die Untersuchung auf alle ausweiten, die vom Vorfall wussten, sagte Behördensprecher Saverio Snider. Dabei werde man versuchen festzustellen, «ob die Leitung des Spitals davon wusste, ob sie etwas verschwieg und, falls ja, ab welchem Zeitpunkt sie etwas verschwieg.»

  • «Sant'Anna: inchiesta a tutto campo», in: «Corriere del Ticino»

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital korrigiert falsche Aussagen zu Chefarzt-Kündigung

Ist der Chefarzt Gregor Lindner nun krank oder nicht? Die Pressestelle des Bürgerspitals Solothurn zieht plötzlich Aussagen zu dessen Kündigung zurück.

image

Sauter: «Wir müssen grossräumiger denken»

Spitäler in den Randregionen brauchen eine neue Funktion. Das meint die neue Hplus-Präsidentin Regine Sauter.

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Direktor Peter Hösly übergibt den Stab an Simone Weiss

Am Sanatorium Kilchberg kommt es zu einem Führungswechsel: Nach 16 Jahren gibt Peter Hösly seinen Chefposten an der Privatklinik für Psychiatrie ab.

image

Spitaldirektorin will in den Nationalrat

Franziska Föllmi-Heusi vom Spital Schwyz ist als Kandidatin für die Nationalratswahlen nominiert.

image

Eklat am Unispital Zürich: Das sagt der Spitalrat zu den Vorwürfen im Fall Clavien

Der Star-Chirurg Pierre-Alain Clavien fühlt sich vom USZ rausgeschmissen. Nun reagiert André Zemp, Spitalratspräsident, auf dessen Vorwürfe.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.